Ansichtskartenherstellung

Titel des Objekts:
Ansichtskarten aus Leipzig

Adresse:
Seeburgstraße 35-37

Stadtteil:
Leipzig-Mitte (Zentrum Südost)

Industriezweig/Branche/Kategorie:
Lithographie, Druckerzeugnisse

Kurzcharakteristik:
Gebäude im Zweiten Weltkrieg zerstört. Heute dort Wohnbebauung.

Datierung:
ehemals 1894

Objektgröße:

 

Ursprüngliche Nutzung:
Fabrik- und Verwaltungsgebäude

Heutige Nutzung:
Auf den Grundstücken stehen Wohnhäuser.

Bau- und Firmengeschichte:

Die Firma Carl Garte wurde im Jahr 1874 als ‚Glaser & Garte Kunstverlagshandlung in Leipzig‘ gegründet. Sie war ein Zusammenschluss des gelernten Buchhändlers Carl August Garte (1844 – 1890) und des Lithographen Louis Glaser. Der erste Firmensitz befand sich am Plauenschen Platz (heute: Richard-Wagner-Straße).
Man vertrieb vor allem Leporello-Alben (ca. 300 Motive) mit topographischen Ansichten von Landschaften, Orten oder Sehenswürdigkeiten.
1883 erfolgte der erste Umzug in die Ulrichsgasse (heute: Seeburgstraße) unter neuem Namen ‚Carl August Garte, Kunst-Verlagshandlung, Lithographische Anstalt und Druckerei‘. Hergestellt wurden vorrangig ‚Photolithographien in photographischer Imitation‘. Farbabstufungen erhielt man durch mehrfaches Drucken mit unterschiedlichen Braun- bzw. Grautönen. Ab 1887 entstanden auf Basis der Leporello-Abbildungen dann die ersten Ansichtskarten.
Ab dem Jahr 1889 arbeitete man mit der Buchbinderei und Papierhandlung H. Metz in Tübingen zusammen. Dies war ein wichtiger Schritt, stellte die Papierhandlung doch die Motive für die Karten zur Verfügung und übernahm den Vertrieb in Süddeutschland und den angrenzenden Ländern. Die Karten wurden in Millionenauflage gedruckt. Carl A. Garte produzierte daneben aber auch eigene Ansichtskarten, die mit dem Namen C.G.L. (Carl Garte Leipzig) gekennzeichnet wurden. Leipzig war zu dieser Zeit die Hochburg der Ansichtskartenproduktion in Deutschland und Europa.

Leider starb Carl Garte bereits 1890; die Geschäftsführung übernahm der Schwiegersohn Carl Schulze (1857 – 1914). Die Firma nannte sich nun ‚Carl Garte, Graph. Kunstanstalt (Spezialität Ansichtskarten)‘.
Bereits zwei Jahre später (1892) wurden die ersten Chromolithographien hergestellt, später fertigte man aus den Bildern der Ansichtskarten zusätzlich auch Briefköpfe.
1894 erwarb man das dreistöckige Nebengebäude, riss es ab und baute vierstöckig neu. Nach einer Umnummerierung 1899 lautete die endgültige Anschrift: Seeburgstraße 35-37.
Die Firma besaß rund 10.000 verschiedene Bildmotive und beschäftige ca. 50 Mitarbeiter, davon sieben eigene Lithographen.
Die Ansichtskartenherstellung war bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges sehr erfolgreich. Ab ca. 1905 nutze man als neues Verfahren den Autochromdruck. Hierbei wird im Steindruckverfahren zuerst eine schwarz-weiße Vorlage erstellt, um sie dann in mehrfachen Schritten automatisch zu kolorieren. Dieses Verfahren nannte sich bei Garte ‚Chromo-Autotypie‘, war allerdings nur für große Stückzahlen rentabel.

Die dritte wichtige Epoche der Firma begann im Jahr 1905, als der Sohn des Firmengründers und Neffe Carl Schulzes – Carl Hans Garte (1882 – 1960) – in die Firma einstieg.
Er hatte erfolgreich Steindrucker gelernt und während eines Aufenthalts in den USA auch erste Kenntnisse des Offsetdruckes erlangt. 1912 ließ er die erste Flachoffset-Maschine in der Leipziger Schnellpressenfabrik herstellen und erregte mit dieser Maschine großes Aufsehen auf der BUGRA in Leipzig (1914).
Während des Ersten Weltkrieges wurde erzwungenermaßen die Produktion auf die Herstellung von Schießplänen und Truppenmerkblättern umgestellt.
Um zu überleben erfolgte der Zusammenschluss mit der in der gleichen Straße befindlichen Firma C.G. Naumann (ab 1921 ‚C.G. Naumann GmbH, Buch- und Steindruckerei‘). Die Firma hielt sich nur bis 1929 und druckte u.a. während der Inflation Geldscheine.

Carl Hans Garte gründete zwischenzeitlich bereits 1924 die Offset-Verlag GmbH. Diese widmete sich der nie gewinnbringenden Herstellung der Fachzeitschrift „Offset-Buch- und Werbekunst“ – ab 1930 unter dem Namen „Buch- und Werbekunst“- sowie der Verlegung von Fachbüchern.

Im Jahr 1937 übernahm der Sohn von Carl Hans Garte – Hansjörg Garte (1908 – 1990) – den Verlag (Carl Garte Verlag). Geschäftsführer waren er und sein Vater. Die Fachzeitschrift für Offsetdruck hieß jetzt „Druck- und Werbekunst“. 1944 wurde der Verlag per Befehl geschlossen. Die Gebäude überstanden den Krieg nicht, die Familie verlor ihr gesamtes Vermögen. Die Grundstücke gingen in den Besitz der Stadt Leipzig über; Gartes erhielten nur 40.000 Mark Lastenausgleich.

Carl Hans Garte wurde nach dem Krieg ein wichtiger Berater für „Paper and Printing“ in der britischen Besatzungszone und legte eine bedeutende Sammlung an Druckerzeugnissen an.
Dr. Hansjörg Garte war noch bis 1950 Verleger, später kurzzeitig Werbeleiter bei Karl Krause in Leipzig, ehe er sich Gebieten außerhalb der Druckindustrie widmete. Nach Übernahme der Zeitschrift durch die Schlütersche Verlagsanstalt in Hannover wurde die Firma Carl Garte 1951 aus dem Handelsregister gelöscht. Sie bestand insgesamt 77 Jahre.

Objektbeschreibung: nicht mehr vorhanden

Quellen/Literatur/Links:
– Stumpp, Gerhard: Die Ansichtskartenherstellung in der Kunstanstalt Carl Garte Leipzig; Passage-Verlag Leipzig, 2012
www.journal-fuer-druckgeschichte.de/downloads/20104.pdf (Abruf 09.09.2014)
– Vortrag G. Stumpp, IADM Jahrestagung 2010 „Der Druck von Ansichtskarten am Beispiel der Kunstanstalt Carl Garte, Leipzig“

Autor/in: Christine Scheel

Datum: Oktober 2014

Abbildungen: folgen