Mühle Stahmeln

früher: Franz Lucke, Mühlenwerke
DDR: VEB Mühlenwerke Stahmeln
heute: Mühlenwerke Stahmeln GmbH

Adresse: Mühlenstraße 17, 04159 Leipzig

Stadtteil: Ortschaft Lützschena-Stahmeln

Industriezweig/Branche/Kategorie: Nahrungsgüterindustrie; Mühlenwerk

Datierung: 1893 – 2012

Objektgröße: zwei Hektar Werksgrundstück in Leipzig Stahmeln

Bau- und Firmengeschichte: Die Mühle in Stahmeln arbeitete als eine der letzten an der Weißen Elster, denn sie produzierte noch bis 2012. Erstmals wurde sie 1486 in einem Zinsregister erwähnt. 1647 brannte sie vollständig nieder, wurde wieder aufgebaut und mehrfach umgebaut. Beginnend 1661 sind die Namen ihrer Eigentümer bzw. Pächter bekannt. Hermann Bötiger, der am 27.03.1863 ihr alleiniger Eigentümer wurde, ließ sie nach dem erneuten Brand am 18.08.1875 wieder aufbauen. Dabei wurden anstelle des Wasserrades Turbinen eingebaut, geliefert von der Sächsischen Maschinenfabrik Chemnitz, und die meisten Mühlstein-Mahlgänge durch Walzenstühle ersetzt. 1893 kaufte Franz Lucke sen. (1857–1927) die Mühle und erweiterte sie schrittweise. Zum Betrieb der Mühle in Stahmeln sowohl bei Trockenheit als auch Hochwasser, wurde eine Dampfmaschine eingebaut, die Turbinen erneuert. 1896 wurde das zur Mühle gehörende Wohnhaus abgerissen und durch ein Kontorgebäude ersetzt, die neue Fabrikantenvilla in der Mühlenstraße 17 gebaut. Zur Mühle gehört auch das Obermüllerhaus Stahmelner Anger 19. Bis 1905 belieferte sie als Proviantmüllerei des Heeres in Leipzig die Garnison auf der Pleißenburg. Als der Militärfiskus eine eigene Mühle auf dem Kasernengelände in Gohlis bauen ließ war die Mühle in Stahmeln von ihren Lieferverpflichtungen befreit. Unter der Leitung von Franz Lucke wurde 1905 die Ausstattung der Mühle verbessert, indem man neue Walzenstühle, Siebmaschinen und Reinigungsanlagen einbaute.
1912 entschloss er sich, die Mühle abzureißen und einen Neubau zu beginnen. Die Planungs- und Bauarbeiten wurden von der Firma Max Woldemar Vogel aus Leipzig ausgeführt, die technische Ausrüstung der neuen Mühle mit Walzenstühlen, Plansichtern, Elevatoren und Putzmaschinen übertrug er der Amme, Giesecke & Konegen AG aus Braunschweig. Das Getreidesilo wurde vergrößert, der Mehlspeicher erweitert und die Maschinen mit elektrischen Einzelantrieben versehen. So entstand 1912 der größte Teil der Anlage.
Da im Ersten Weltkrieg die Reichsgetreidestelle die Lagerung großer Getreidemengen verlangte, wurde 1916/17 ein achtstöckiges 35m hohes Getreidesilo angebaut. Über die Nachkriegszeit mit der Inflation 1920/21 konnte der Betrieb erhalten werden. Unter der Leitung von Franz Lucke jun. wurden die technischen Anlagen ständig modernisiert. Auf einer Betongründung wurde 1934/35 ein 1500t fassendes sechsteiliges Stahlsilo errichtet, ergänzt durch Trocknungs- und Areginal-Vergasungsanlage nach damals neuestem Stand. So wurden die Verluste von Getreide durch Schimmel oder Schädlingsbefall vermieden. Die markante Form der Silos dominiert das gesamte Mühlenareal, ist eine Landmarke und Wahrzeichen von Stahmeln. Zur besseren Ausnutzung der Wasserkraft ließ Franz Lucke jun. die Ufer der Elster befestigen und den Flußlauf zwischen Stahmeln und Lützschena begradigen. Der Niveauunterschied des Wassers wurde so gehalten, dass die Turbinen immer die geplante Leistung brachten. Ständig war ein Baggerkahn auf dem Fluss unterwegs, förderte Schlamm und Sand zutage. Damit wurden die Lachen in Stahmeln verfüllt. Wiesen entstanden und die Mückenplage wurde vermindert.
In der NS-Zeit waren die Kunstmühlen-Werke Franz Lucke ein Nationalsozialistischer Musterbetrieb. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Familie Lucke von der sowjetischen Besatzungsmacht enteignet. Die nun treuhänderisch verwalteten Mühlenwerke galten als zweitgrößter Mühlenbetrieb Sachsens und wurden als VEB Mühlenwerke Stahmeln weitergeführt. Mit der Grundinstandsetzung 1986 wurde sie auf einen guten technischen Stand gebracht, vergleichbar z.B. mit westdeutschen Mühlen. Jede der Turbinen des Wasserkraftwerks brachte 75kW Leistung, so dass 25 % des Energiebedarfs der Mühle gedeckt werden konnte, aber auch Strom ins öffentliche Netz abgegeben wurde. Durch den Einbau lärmreduzierter Abluftanlagen wurde die Lärmbelastung der Umgebung deutlich gesenkt.
Bis 1990 gehörte sie zu dem VE Kombinat Getreidewirtschaft Leipzig. Danach folgten die Umwandlung in eine GmbH und mehrfache Eigentümerwechsel. Im Jahre 1999 kam es zu einem Management Buy Out, die Mühle wurde mit dreißig Mitarbeitern weiter betrieben und erzielte im Jahre 1999 einen Umsatz von 16,8 Millionen D-Mark. Für das Jahr 2000 wurden etwa 20 Millionen D-Mark an Erlösen erwartet. Zu der Zeit vermahlten an jedem Tag erfahrene Müller 120t Weizen und 60t Roggen zu Standardmehlen aller Typen oder „Mehlen nach Maß“. Jährlich sind das 45.000t Elite- und A-Weizen und 6.000t Roggen bester Qualität, die von Betrieben im Umkreis von hundert Kilometern bezogen werden. Von 1992 bis 2012 haben die Eigentümer zehn Millionen Mark für Investitionen eingesetzt, davon zwei Drittel für die Modernisierung der Produktionsabläufe.
Am 16. September 2009 hatte die Gesellschafterversammlung zugestimmt, dass am 13. Juli 2009 die Heyl GmbH & Co. KG mit Sitz in Bad Langensalza die Mühlenwerke Stahmeln GmbH übernehmen kann. 2012 wurde die Produktion eingestellt, denn die Saxonia Mühlenwerke Leipzig-Stahmeln GmbH übernahm die Immobilie und wollte sie vermarkten.
Im Jahr 2016 erwarb die Firma GRK Holding das Objekt und begann mit dem Umbau zu einem Wohnhaus mit Miet- und Eigentumswohnugen. Jetzt verfügt der einzigartige Wohnkomplex über 4 Hauptgebäude sowie der Remise und dem Inselgebäude mit insgesamt 68 Wohnungen und 71 Stellplätzen. Die 2 bis 4 Raumwohnungen haben eine Wohnfläche zwischen 50m² bis 168m², Balkon, Loggia, Terrasse oder Wintergarten.

Objektbeschreibung: Das derzeit als Wohnanlage genutzte Ensemble steht auf einem zweieinhalb Hektar großen Grundstück und liegt nahe beim Naturschutzgebiet Leipziger Stadtforst, teilweise auf einer Insel zwischen der Weißen Elster und dem Elstermühlgraben.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Horst Pawlitzky, Frank Heyme

Datum: März 2020

Abbildungen: Horst Pawlitzky, Frank Heyme




Färberei Luckner

früher: Färberei Luckner
DDR: VEB Färberei und chemische Reinigung
heute: Wohnanlage Elsterhöfe

Adresse: Friedrich-Bosse-Straße 67; 69; 71; 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Dienstleistung / Reinigung

Datierung: 1888

Objektgröße:

Bau- und Firmengeschichte: Der Färbereibetrieb wurde 1890 vom Fabrikanten Hugo Luckner nach Wahren verlegt. Gleich hinter dem Werksgelände fließt die weiße Elster, welche das notwendige Wasser liefert. Luckner hatte vorher einen Betrieb nahe dem Stadtzentrum, in der Gerberstraße.
Firma Hugo Luckner – Hand- und Maschinenbügelei sowie Wollfärberei in Leipzig-Wahren. Ab 1899 Einführung der Benzinwäscherei, Färberei und Chemische Waschanstalt Hugo Luckner.
1907 Verkauf der Firma an Ch. Daniel und F. und A. Röver weiterhin mit dem Angebot Färben und der chemischen Reinigung von Garderobe aller Art, von Innendekorationen, Gardinen, Teppichen, Federn, Handschuhen usw. mit Kundschaft in ganz Deutschland. Ständige Modernisierung der technischen Anlagen und Ausbau des Netzes an Annahmestellen.
Während des 2. Weltkrieges wurden auch Fremd- und Zwangsarbeiter beschäftigt.
1948 wurde der Betrieb enteignet und seitdem als VEB Färberei und chemische Reinigung weiter betrieben.
1991 erfolgte die Stilllegung der Produktionsanlagen u.a. wegen der Umweltbelastungen.

Objektbeschreibung: Der bestehende Klinkerbau wurde 1896-1897 als Fabrikgebäude für Hand- und Maschinenbügelei sowie Wollfärberei durch die Firma Hugo Luckner in Leipzig-Wahren errichtet. Die Klinkerfassade erhielt später die Werbeschrift »Leipziger Färberei und Chemische Reinigung“.
Ab 2018 Umbau zur Wohnanlage „Elsterhöfe“.

Quellen/Literatur/Links:

  • Landesamt für Denkmalpflege Sachsen: Kulturdenkmale im Freistaat Sachsen – Denkmaldokument Nr.: 09297454 Leipzig, Stadt
  • Thomas Fickenwirth, ‎Birgit Horn-Kolditz, ‎Christian Kurzweg: Fremd- und Zwangsarbeit im Raum Leipzig 1939-1945
  • Prospekt „Alter Färberei“ der Firma Weiße Elster GmbH
  • Siegfried Haustein; Das Wahrener Geschichtsbuch, S.111 ff

Autor: Frank Heyme

Datum: März 2020




Wellenwerk

früher: Otto Baumberger & Co. KG
DDR: VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig
heute: TAFLEXA – Biegsame Wellen GmbH

Adresse: Clausbruchstraße 5-7, 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Fahrzeugbau

Datierung: 1935

Objektgröße:

Bau- und Firmengeschichte:

  • 1935 Gründung der Otto Baumberger & Co. KG in Leipzig durch Otto Baumberger, Ingenieur Gottweiß und Ing. Heß. Das Unternehmen spezialisierte sich zunächst auf Pelzverarbeitungsmaschinen.. Bald erweiterten sie ihr Programm auf Stahlfedern. Produktionsprogramm: Technische Federn und Maschinen für die Rauchwarenindustrie
  • 1937 Einzug von Otto Barmberger und Herrn Heß in das architektonisch interessante Fabrikgebäude Claußbruchstr. 5- 7
  • 1939 Die Firma Baumberger & Co kauft das Grundstück und die Gebäude in der Clausbuchstraße 5-7
  • 1945 nach 1945 wurden statt Federn und Maschinen Gebrauchsgegenstände hergestellt, wie u.a. Tiegel, Feuerhaken, Tabletts, Zigarettenetuis u. a. m.
  • 1946 Die Anlagen wurden nicht demontiert, sondern die sowjetische Militärbehörde gab bestimmte militärische Gegenstände in Auftrag wie z.B. Gewehrstäbe, Ölpinselbüchsen, technische Federn usw.
  • 1947 Die sowjetischen Behörden wünschten 1947, daß der Betrieb Tachometerwellen entwickele und liefere. Was nach Bewältigung schwieriger Probleme auch gelang.
  • 1952 Beginn der Tachometerwellen-Fertigung für die Fahrzeugindustrie der DDR
  • 1958 Die Firma wird halbstaatlich und kann sich so weiterentwickeln
  • 1960 feierte man das 25jährige Firmenjubiläum
  • 1969 Auslagerung der Federnproduktion zugunsten der Tachometerwellenproduktion
  • 1972 Verstaatlichung und Weiterführung als VEB Tachometerwellen- und Maschinenbau Leipzig
  • 1989 Einstellung des Maschinenbaus
  • 1990 Übernahme durch die Treuhandgesellschaft als Tachometerwellen- und Maschinenbau GmbH Produktionsprogramm: Tachometerwellen
  • 1993 Reprivatisierung des Unternehmens
  • 1998 Gründung der TAFLEXA – Biegsame Wellen GmbH als Weiterführung des traditionsreichen Leipziger Familienunternehmens Produktionsprogramm: Biegsame Wellen, Seil- und Bowdenzüge, Druck-Zug-Betätigungen in Einzel- und Kleinserienfertigung
  • 2007 Umzug an neuen Produktionsstandort in Leipzig

Objektbeschreibung: Das Firmengelände liegt direkt an dem Fluß Elster in unmittelbarer Nähe der Gnadenkirche, die die Kirche des Ortsteils Wahren ist.
Bauzeit: 1893 bis 1902
Bauherr: Richard Lindner (Richard Lindner, Rauchwarenzurichterei und -Färberei), Errichtung als dampfbetriebene Pelzzurichterei
Baustil: Historismus, Moderne
Baumeister/Architekt: Polster & Höhne (1893 bis 1902)
Sanierung und Umgestaltung zu einer Wohnanlage: nach 2002 durch Hansa Real Estate unter Architekt Hohmuth & Partner

Quellen/Literatur/Links:

  • Siegfried Haustein: Das Wahrener Geschichtsbuch, S.111 ff
  • Gormsen, Niels; Kühne, Armin: Leipzig Stadt des Wandels, Passage-Verlag Leipzig, 3. Auflage 2015
  • TAFLEXA – Biegsame Wellen GmbH ; Firmenhistorie

Autor: Frank Heyme

Datum: März 2020




Meiselbach

früher: Fa. Aug. Meiselbach
DDR: Präzisions-Werkzeug- und Maschinenfabrik Leipzig-Lindenau
heute: aufgelassen 1997

Adresse: Roßmarktstraße, 30, 04177, Leipzig

Stadtteil: Leipzig Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metall / Elektronik – Maschinenbau

Datierung: Gründung vor dem Jahr 1897

Objektgröße:

Bau- und Firmengeschichte: Die Fa. Aug. Meiselbach, [damals in] Leipzig-Plagwitz stellte zur Sächs.-Thüring. Industrie- und Gewerbeausstellung zu Leipzig vom 24. April bis zum 19. Oktober 1897 Waagen eigener Konstruktion vor. Um 1904 Umzug in das neu gebaute Fabrikationsgebäude Roßmarktstraße 30. Es entstand eine Werkzeugfabrik für Gewindeschneidkluppen mit ca. 80 Beschäftigten. Es wurden Schneidkluppen für Gas- und Whitworth-Gewinde hergestellt, die unter dem Namen Original-Meiselbach-Schneidkluppen, bzw. Original-Meiselbach-Gewindeschneidmaschinen bekannt waren und in allen Arten des Rohrleitungsbaues benutzt wurden.
Der Betrieb wurde Ende der 1950er Jahre enteignet. Im Januar 1960 firmierte er unter VEB (K) Werkzeugbau, Leipzig W 33, Roßmarktstraße 30, Verwalter: Otto Naue.
Im Jahr 1987 verlor die Firma ihre Selbständigkeit und wurde als VEB Getriebewerke Leipzig, Betriebsteil VI, Kluppenfertigung, 7033 Leipzig, Roßmarktstraße 30, weitergeführt. Der VEB Getriebewerke Leipzig gehörte zur Vereinigung Volkseigener Betriebe (VVB) Getriebe und Kupplungen (später: VEB Kombinat Getriebe und Kupplungen in Magdeburg).
Mit
der Auflösung der volkseigenen Betriebe erfolgte die Aufgabe des
Produktionsstandortes.

Objektbeschreibung: Nach der Schließung erfolgte eine Mitnutzung des Objektes als Lagerfläche durch die Fa. Folimat Leipzig, die ab August 1990 als Folimat GmbH firmierend, später Folimat & Berger GmbH, 7033 Leipzig, William-Zipperer-Straße 14.
Durch einen Brand im Jahre 1997 wurde das Dach der Werkhalle zerstört. Danach Verfall des Gebäudes. Die leerstehende Ruine wurde bis 1999 vom Bundesvermögensamt verwaltet und danach verkauft. Der neue Eigentümer hat das Vorderhaus saniert und das Hinterhaus abgerissen. Es ist eine Grünfläche entstanden.

Quellen/Literatur/Links:

  • https://www.lindenauerstadtteilverein.de/heimatkunde/haeuserliste/haus/2904/rossmarktstrasse-30.htm
  • Hauptstaatsarchiv Dresden, Rep. 11384 Landesregierung Sachsen, Ministerium für Wirtschaft, Nr.1831 (betr. 1946, Schriftwechsel des Aufgabengebietes Maschinenbau mit einzelnen Betrieben, u. a.Fa. Aug. Meiselbach Nachf.)
  • Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20843 VEB Getriebewerk Leipzig
  • Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20242 Kreis-Industrie- und Handelskammern Nordwest- sachsens, Nr. 1869 (Aug. Meiselbach Nachfahre, Werkzeug- und Maschinenfabrik, Leipzig, 1945-1954)
  • Staatsarchiv Leipzig, Bestand 20186 Bezirkssteuereinnahme Leipzig, Nr. 40 (Veranlagung der Firma Aug. Meiselbach Nachf. GmbH, Werkzeugfabrik, Leipzig, enthält u. a.: Gesellschaftsvertrag.- Bilanzen)
  • Staatsarchiv Leipzig, Bestand 21025 H. Neumeyer, Steuerprüfer in Leipzig, Nr. 42: Aufträge der Firma August Meiselbach Nachfolge, Leipzig
  • Amtliches Fernsprechbuch für den Reichspost- Direktionsbezirk Leipzig, 1936
  • Leipziger Industrie. Amtliches Firmen- und Bezugsquellen-Verzeichnis. Nach Unterlagen der Industrie- und Handelskammer Leipzig bearbeitet von Hans Rückert. Verkehrsamt der Stadt Leipzig 1946, 199 S.
  • Fernsprechbuch Bezirk Leipzig, Ausgabe 1987
  • Sammlung Lindenauer Stadtteilverein e. V.
  • Ansicht eines „Original Meiselbach“-Gewindeschneiders aus dem VEB Werkzeugbau Leipzig W 33
  • Zeitschrift „Der Mechaniker“ No. 14, 1897, S. 217
  • Adreß-Buch für Lindenau-Plagwitz und Neu-Schleußig 1885, 1887
  • Adreß-Buch für Lindenau 1889
  • Leipziger Adreßbuch, Bd. 1907, 1933, 1943, 1949, 1997

Autoren: Frank Heyme, Rainer Müller (Lindenauer Stadtteil Verein)

Datum: 4.3.2020

Abbildungen:




Wendische Höfe

Objekt: Rauchwarenfärberei und Pelzzurichterei Theodor Kniesche

  • früher: Theodor Kniesche Rauchwarenfabrik
  • DDR: Theodor Kniesche Rauchwarenfabrik (KG)
  • heute: Wendische Höfe (Wohnanlage)

Adresse: Rittergutstraße 11; 04159 Leipzig

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Konsumgüter, Pelzverarbeitung

Datierung: 1898

Objektgröße: 10.780 m² großes Grundstück zwischen Rittergutsstraße und im Süden dem Fluss Weiße Elster

Bau- und Firmengeschichte: Kurz vor 1900 gründete Theodor Kniesche (1847-1907) mit seinen beiden Söhnen eine Fabrik für die Pelzverarbeitung, eine Pelz-Zurichterei und Rauchwarenfärberei. Das Kontor und Lager der Kaufmannsdynastie befinden sich weiter im Brühl 71. Für die außerordentlich große Mengen Wasser verbrauchenden Produktionsvorgänge erwies sich die gewählte Grundstückslage an der Elster mehr als günstig.
Auf dem Gelände gab es ab 1906 eine Dampfmaschine der Firma MAN als Energiequelle der Produktionsanlagen. Nach dem Tod des Firmengründers 1907 übernahmen seine Söhne das Unternehmen. Nach wechselnden Beteiligungen und staatlicher Beteiligung 1965 schenkte der letzte Inhaber Dr. Theodor Kniesche 1982 das Anwesen dem Staat. Nach dieser Zeit verfielen unter dem Pächter HO die Gebäude.

Objektbeschreibung: Die aus mehreren Gebäuden nebst einem großen Schornstein bestehende Industrieanlage wurde aus gelben Klinkerziegeln, die aus Beucha kamen, errichtet. Der nötige Sand wurde im Gebiet des heutigen Auensees gewonnen. Der Baumeister war erwähnenswerter Weise Clemens Thieme (Völkerschlachtdenkmal). Direkt an der Flusskante entstand ein Klinkerbau mit Parterre, drei Geschossen und Holzzementdach. Neben dem Fabrikgebäude entstehen danach Kessel- und Maschinenhaus mit Dampfschornstein sowie ein Stallgebäude mit Hausmannswohnung. 1910 wird ein zweigeschossiger Anbau notwendig, ausgeführt von C. Brömme nach Plan von Architekt Paul Augustin.
Die Firma BEWACON Immobilien GmbH entwickelte auf dem Gelände ab dem Jahr 2004 die Wohnanlage „Wendische Höfe“. Das Wohnanlagenprojekt wurde 2014 fertig. Auf dem Gelände steht noch ein aufwändig restauriertes Fachwerkhaus, heute als Gaststätte „Fachwerk“ genutzt.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 7.3.2020




Schraderhaus

Objekt: Schraderhaus (auch Schrader´s Haus genannt)

  • ursprünglich: Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik und andere Firmen der grafischen Industrie
  • DDR-Zeit: Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik / Druckhaus Einheit / Interdruck / Messedruck
  • nach 1990: Nutzung hauptsächlich als Bürogebäude
  • heute: Leerstand
  • geplant: Umbau zum Schulgebäude

Adresse: Täubchenweg 26 04317 Leipzig
Stadtteil: Reudnitz

Industriezweig /Branche /Kategorie: ursprünglich grafische Industrie

Datierung – Bauzeit: 1911-1912

Objektgröße: Geschossfläche ca. 13200 m² – bei einer Grundstücksfläche von ca. 2200 m²

Bau- und Firmengeschichte:
1890: Firmengründung der Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik, Standort zunächst Hospitalstr. 14, ab ca.1893 Seeburgstr. 35 bzw. 57 (Hausnummer-Änderung), bis 1912 Göschenstr. 6
1911-1912: Bau des riesigen Gebäudes als Druckereigebäude unter dem Kaufmann Wilhelm Schrader, Architekten: Wetzold und Beyer.
1912: Auch andere Firmen der grafischen Industrie ziehen in das Gebäude ein, z.B. ein Teil des Otto Spamer Verlages (bis ca.1921), im Erdgeschoss sind Verlag, Binderei und Lager etabliert.
1945: Das Gebäude übersteht die Bombenangriffe relativ unbeschadet.
Zu DDR-Zeiten ist hier auch mehrere Jahre der VEB Messedruck Leipzig etabliert.
1971: Letztmaliger Eintrag im Leipziger Telefonbuch zu Firma Gebr. Schrader KG. 1972 erfolgt die Verstaatlichung.
1990: Schließung als Druckereistandort. 1991 bis 1994 wird das Objekt aufwendig zur Umnutzung für Büros bzw. Gewerbe, Wohnungen im Dachraum und Gastronomie im Untergeschoss saniert.
2016: Verkauf des Gebäudes an einen Privateigentümer. Es folgt die Kündigung von Mietverträgen.
2018: Im Februar muss der Szene-Club „4 rooms“ schließen.
2018: Im April kauft die Stadt Leipzig das Objekt für 10,3 Mio. € von einem österreichischen Investor zurück.
2019: Das Gebäude steht leer.
2020: Von Jan. bis Febr. 2022 Umbau als Schulgebäude für ein 4-zügiges Gymnasium für ca. 1130 Personen.
Besondere Baumaßnahmen: Einbau eines innenliegenden Treppenhauses in Form einer Doppel-Helix und die Errichtung eines zusätzlichen 3. Einganges an der Heinrichstraße, der zum Haupteingang werden soll. Gegenüber vom Schraderhaus befindet sich das Gebäude der 125. Schule (Oberschule) und der Wilhelm-Busch-Schule (Grundschule). Dementsprechend sind gute Voraussetzungen für einen Schulcampus mit gemeinsam nutzbaren Freiflächen gegeben. Dies ist sinnvoll, da die Hoffläche der ehemaligen Fabrik relativ klein ist.

Objektbeschreibung:
Der U-förmiger Gebäudegrundriss der Fabrik folgt den nicht rechtwinklig zueinanderstehenden Straßenführungen von Täubchenweg, Heinrichstraße und Baedeckerstraße.
Das Fabrikgebäude ist (heute) 7-geschossig, incl. 2 Dachstockwerken sowie Tiefparterre (Untergeschoss).
Geschossfläche ca. 13.200 m² (Summe aller Nutzflächen).
2 große Toreinfahrten an Nord- und Südseite mit schmiedeeisernen Torflügeln. Einen repräsentativen Haupteingang gibt es nicht, wie z.B. bei den Globuswerken, Limburgerstr. 74.
Bauweise: Stahlbetonbau mit gelber Klinker-Putz-Fassade.
Lisenen-Gliederung – das heißt schmale, leicht hervortretende senkrechte Verstärkungen der Außenwand, ohne Unterbrechung zwischen den Stockwerken, aber zusätzlich mit Kapitellen wie bei Pilastern.
Gesimse – diese waagerechten Hervorhebungen sind eher untergeordnet. – weiße Putzflächen unterhalb der Fenster (Fensterbrüstung – Brüstungsschürze) ergeben dagegen eine starke waagerechte Betonung.
Eckbetonung durch 5 große Mansardgiebel an den 3 begrenzenden Straßenseiten.
Mansarddächer – zusätzlich abgesetzt mit geraden Schleppgauben.
zwei 180-Grad-Glasdachkuppeln auf den beiden äußeren Gebäudeecken sowie Glasüberdachungen für das Tiefgeschoss an der Gebäude-Hofseite – sehr modern wirkend. Es wären Hinweise auf die Geburtsstunde der Moderne! Doch war das schon ursprünglich so projektiert? Hinweise das dem so nicht ist zeigt ein Briefkopf von 1936 mit dem gezeichneten Gebäude. Hier ist eine Kegelspitze mit Schindeldach zu erkennen – jedoch keine Glaskuppel. Blicktipp: Die komplizierte Dachform kann man eigentlich nur per Ballonfahrt oder gratis mittels Luftbildaufnahmen z.B. bei Google-Earth erfassen!
Gebäude mit Denkmalschutz-Nr.: 09290028 (Täubchenweg 26) und 09290013 (Baedeckerstr. 5, früher Nr.28 bzw. Charlottenstr. 28)

Quellen / Literatur / Links:

Autor: Thomas Wommer Datum: 16.06.2019

Abbildungen: (werden nachgereicht)




Pittler

Titel des Objekts:

  • ursprünglich: W. von Pittler AG
  • später: Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik
  • später: VEB Drehmaschinenwerk Leipzig (DREMA)

Adresse: Leipzig, Pittlerstr. 26

Stadtteil: Wahren

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie / Maschinenbau

Kurzcharakteristik: Unternehmen zur Herstellung von Werkzeugmaschinen, insbesondere: Pittler-Revolverdrehbänke und Ein- und Mehrspindel-Automaten; selbstlösende Gewindeschneideköpfe und stufenlos regelbare Flüssigkeitsgetriebe.

Datierung: gegründet 1889

Objektgröße: ca. 4000 m² Werkhallenfläche

Heutige Nutzung: Industrieruine / Leerstand

Bau- und Firmengeschichte: Pittler war ein sehr bekannter Firmenname in der Messe-Stadt Leipzig und gehörte zu den größten Werkzeugmaschinenherstellern in Deutschland.
Auch der Nachfolgebetrieb, VEB Drehmaschinenwerk Leipzig (VEB DREMA Leipzig), setzte diese Erfolgsgeschichte nach 1948 fort. Zum VEB DREMA gehörte eine eigene Betriebsberufsschule in der Pfaffendorfer Straße (ehemals Dr. Kurt-Fischer-Straße; heute steht dort das Gondwana Land des Zoos Leipzig).
1889 Gründung der Maschinenfabrik „Invention“ Wilhelm von Pittler in Leipzig Gohlis zur Herstellung und Vertrieb von Maschinen. Gerade in der Zeit, wo der Werkzeugbau boomt, entwickelt er sich schnell und wird bereits 1895 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, damit steht mehr Kapital zur weiteren Vergrößerung bereit. Es ist die eigentliche Geburtsstunde der „Leipziger Werkzeugmaschinenfabrik vorm. W. Von Pittler AG“. Parallel zur neuen Firmengründung entsteht 1899 in Leipzig-Wahren ein großes Werksgelände als Basis der neuen AG. Vorzeigeprodukt der Leipziger sind Revolverdrehbänke, welche weltweit Absatz finden. Die Geschäfte laufen sehr gut und es folgt ein stetiger Ausbau. So entsteht im Stadtteil Plagwitz eine eigene Gießerei, um dort eigene Gussteile für die Maschinen herzustellen, sowie weitere kleinere Betriebseinheiten. In der Hochzeit der 1920er Jahre, 1928, übernimmt man die Aktienmehrheit an der „Magdeburger Maschinenfabrik AG“ und schluckt damit einen der größten Konkurrenten in der Region. Die Pittler Werke sind das Zentrum des Stadtteiles Leipzig-Wahren und so geben sie mehreren tausend Arbeitern eine Lebensversorgung.
Von den Weltkriegen profitiert Pittler. Große Rüstungsaufträge ersetzen das Friedensprogramm, doch genau dieser Punkt bringt das Unternehmen auch zu Fall. Nach dem Krieg 1945 werden durch die Amerikaner bei ihrem Abzug aus Leipzig viele Werksunterlagen und „wichtige Pittler-Leute“ als Fachpersonal mit gen Westen genommen, wo sich bald in Langen (Taunus) eine neue „Pittler AG“ etablierte und 1950 dort die ersten Revolverdrehbänke produzierte.
Die Firma in Leipzig wurde ab 1945 wegen ihrer Verstrickung als Teil der Kriegsproduktion zwangsverwaltet. Um für einen Teil der ehemaligen Belegschaft Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, wurde im Februar 1946 die Firma A. H. Paul, vormals Pittler AG, gegründet, jedoch zum 1. September 1946 wieder aufgelöst, womit das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig gegründet wurde. Das Unternehmen wurde auf der Grundlage des Volksentscheids in Sachsen 1946 enteignet. Zum 31. Dezember 1949 erlosch das Unternehmen Werkzeugbau und Reparaturbetrieb GmbH Leipzig.
Das Vermögen des enteigneten Unternehmens wurde dann nach 1948 für den Aufbau des neuen VEB Drehmaschinenwerk Leipzig in der Dr. Kurt-Fischer-Straße (heute Pfaffendorfer Straße) eingesetzt. Die Sowjetische Militär-Administration (SMAD) richtete im Wahrener Werk ein „Konstruktionsbüro STKB 4“ ein, was Dezember 1949 zur Sowjetischen Aktiengesellschaft (SAG) in der Vereinigung „Transmasch“ umgewandelt wurde. Wegen Kriegsproduktion wurden Ausrüstungen demontiert und nach Russland verbracht. Schließlich wurde am 31. Dezember 1953 der Betrieb dem zuständigen Ministerium der DDR-Regierung übergeben und firmierte zunächst unter dem Namen“ VEB Wissenschaftlich-Technisches Büro für Werkzeugmaschinen (VEB WTB)“. Ab 1956 plante man die Zusammenführung von VEB WTB mit dem VEB Drehmaschinenwerk, was durch die juristische Vereinigung am 1. Juni 1959 auch geschah. Von nun an führte das Werk in Wahren den Namen „VEB Drehmaschinenwerk Leipzig“. 1959 vergrößert sich der Betrieb durch die Eingliederung des „VEB Centex Leipzig“ und so wird es wieder einer der größten Arbeitgeber der Stadt. Die Produktion wird später im Rahmen staatlich verordneter Spezialisierungsmaßnahmen auf die Herstellung von Mehrspindelautomaten umgestellt und die Produktion von Revolverdrehmaschinen wurde auf andere Firmen verlagert. Mit dieser Maßnahme ging ein wichtiger Teil der internationalen Bedeutung der Firma verloren. Die Mehrspindelautomaten mit 6 oder 8 Spindeln haben im sozialistischen Wirtschaftsraum (RGW), aber auch auf dem Weltmarkt einen guten Namen. Die Mehrspindelautomaten wurden zum großen Teil als Grundmaschinen in die UdSSR und zu einem kleineren Teil als komplette Bearbeitungszentren am Markt abgesetzt. Für die Konstruktion der bedarfsgerechten Nebenaggregate für die Bearbeitungszentren gab es im Werk eine große Konstuktionsabteilung. Mit der Gründung der Kombinate wird das Drehmaschinenwerk 1969 in das „Werkzeugmaschinenkombinat 7. Oktober Berlin“ eingegliedert. Ab 1982 erfolgte eine Kooperation mit der Gildemeister AG in Bielefeld.
Nach der Wende versucht man das Werk in Leipzig zu sanieren und durch eine Privatisierung zur „Pittler-Tornos Werkzeugmaschinen GmbH“ zu sichern. Doch der Erfolg bleibt aus, die Altlasten sind zu groß für das finanzielle Kapital und so geht das Unternehmen 1997 in den Konkurs.
Es ist das endgültige Ende für den Namen Pittler in Leipzig, ein großes Kapitel der sächsischen Werkzeugmaschinentradition wird dadurch geschlossen. Die Firma EMAG Leipzig Maschinenfabrik wird 1999 nach der Insolvenz von Pittler – Tornos gegründet. Es kommt zur Übernahme von PITTLER-TORNOS und Eingliederung in die EMAG Leipzig Maschinenfabrik und dann Ausbau zum heutigen Marktunternehmen für die nördlichen und östlichen Bundesländer Deutschlands.

Objektbeschreibung: Das Werksgelände in Wahren umfaßt das Straßen Geviert Pittlerstraße, Stammerstraße, Am Börnchen und wird im Norden durch die neue Travniker Straße geteilt, bzw. getrennt. Auf dem Gelände befindet sich entlang der Stammerstraße das Hauptgebäude und dahinterliegend einzelne Werkhallen. Ursprünglich gab es auf dem Gelände eine Dampfmaschine, die die Hauptenergiequelle für diese Fabrik bildete. Interessant ist, daß auf dem Werksgelände ein Freibad existierte, welches bis in die 1970 Jahre für die Öffentlichkeit zugänglich war. Später wurde dieser Geländeteil an die russische SAG Roter Stern abgegeben. Die Qualität und die Größe der Gebäude gehen aus den beigefügten Bildern hervor. Diese Bilder beschreiben den gegenwärtigen Zustand der Gebäude. Eine historische Ansicht zeigt das Neuwerk nach der Errichtung nach dem Jahr 1898.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 11.03.2020

Abbildungen:




Hanns und Römer

Titel des Objekts: Hanns und Römer Maschinenfabrik

Später: VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig [FoRa] im VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch

Adresse: Leipzig, Dreilindenstraße 4-6

Stadtteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Maschinenbau, Fabrikation von Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie

Kurzcharakteristik: Mittelständisches Unternehmen zur Herstellung von Walzmaschinen und kompletter Produktionslinien für Süßwaren.

Datierung: gegründet 1907

Objektgröße:

Ursprüngliche Nutzung: eine Gießkannenfabrik, eine Waschanstalt, eine Buchdruckerei H. Schmidt (nicht abschließend geklärt)

Heutige Nutzung: Industriebrache/ Ruine

Bau- und Firmengeschichte: Die Firma Hanns und Römer Maschinenfabrik wurde 1907 gegründet. Eigentümer waren Arthur Hanns und E. Römer. Die Firma stellte Maschinen für die Nahrungsmittelindustrie, zur Herstellung von Bonbons bzw. Schokolade her. Eine weltbekannte Spezialität entstand durch die Entwicklung der patentierten Produktionsmaschine für „Pfeifen-Lutscher“. Dieses Patent soll immer noch weltweit genutzt werden.
Im Rahmen der Verstaatlichung privatwirtschaftlicher Betriebe nach 1972 wurde der Betrieb dem VEB Kombinat Süßwaren Delitzsch: VEB Forschung und Rationalisierung Leipzig, ein Betrieb des Rationalisierungsmittelbaues als Werksteil III zugeordnet. Die Werksräume befanden sich im Hinterhaus und die Verwaltung im Vorderhaus, Dreilindenstr. 6. Der VEB Forschung und Rationalisierung plante und setzte Rationalisierungsvorhaben der Süßwaren- und Dauerbackwarenindustrie der DDR um. Mit Wirkung vom 1. Juli 1988 wurde der Betrieb in den VEB Halloren Schokoladenfabrik Halle eingegliedert und verlor seine juristische Selbstständigkeit.
Nach 1990 wurde die Halloren Schokoladenfabrik privatisiert, wann Firmenteil Rationalisierungsbau geschlossen wurde, ist derzeit nicht bekannt. Seitdem verfallen das Gelände und die Gebäude. Das Vorderhaus ist abgerissen worden und das Hofgebäude ist dem Verfall preisgegeben.

Objektbeschreibung: Das Gelände ist ca. 180 m lang und knapp 40 m breit. An der Nordseite liegt es an der Dreilindenstraße, an der Südseite schließt es an die Bebauung der Lützner Straße an. An den beiden anderen Seiten gab es dichte Bebauung. Derzeit ist auch das östliche Baufeld brach liegend. Es wird teilweise als Parkplatz und als Kinderspielplatz genutzt. Die sogenannte Boxerhalle (warum der Name?) sollte zu einer Gaststätte, Café oder Kneipe ausgebaut werden. Dafür ist das Dach saniert worden. Das Projekt ist abgebrochen worden.

Quellen/Literatur/Links:

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020

Abbildungen:




Helbing

Titel des Objekts: Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing

Adresse: Leipzig, Birkenstraße 8

Stadtteil: Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Metallindustrie/ Metalldrückerei; Galvanik

Kurzcharakteristik: Mittelständiges Unternehmen zur Herstellung von Abzeichen aller Art und Medaillen; Lohnfertigung von Neusilber- und Aluminiumbestecken.

Datierung: gegründet 1907

Objektgröße:

Ursprüngliche Nutzung: 1915 Haarnadelfabrik C. Gellermann; 1918 Nährmittel-Fabrik Rudolf Ady; 1920 Rohproduktenhandlung von Kaufmann Samuel Markowitsch

Heutige Nutzung: Industriebrache/ begrünter Hinterhof

Bau- und Firmengeschichte: Die Firma Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing, gegründet 1892, Inhaber: Kaufmann Siegfried Hellinger. Die Firma zog 1930 in die Birkenstraße 8. Es wurden Abzeichen und Medaillen für Vereine andere Interessenten, außerdem Orden und Ehrenzeichen für das Militär hergestellt. Hauptproduktionsmittel waren Ausrüstungen für die Bearbeitung von Metallen, wie Stanzen, unterschiedlich große Balanciers waren vorhanden. Es gab eine zentrale Transmission zum Antrieb der Maschinen. Für die Weiterbearbeitung gab es eine Galvanisier- und eine Emailliereinrichtung. Ab einem unbekannten Zeitpunkt wurde auch Metallbesteck aus Aluminium und Neusilber in Lohnfertigung als Halbzeug hergestellt. Auftraggeber war am Ende der Firmenexistenz der VEB Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS).
Wahrscheinlich 1970 oder 1971 verstarb der Besitzer der Firma. Der Erbe des Besitzers lebte in der Bundesrepublik und veranlaßte die Auflösung der Firma. In dieser Zeit wurden die Maschinen verkauft und aus dem Produktionsgebäude entfernt. Eine besondere Maßnahme war der Abtransport des großen Balanciers. Es mußte eine sehr große Öffnung in die Wand des Gebäudes gebrochen werden, um die Maschine zum Abtransport auf den Hof zu stellen. Bedauerlich war es, daß in der Zeit zwischen Betriebsende und Beginn der Demontage die einzigartige Sammlung aller jemals produzierten Abzeichen gestohlen wurde und seitdem verschollen ist. Der Erlös der Firmenauflösung wurde, wie zu der Zeit üblich, auf ein Sperrkonto eingezahlt. Auf dieses Konto hatte der westdeutsche Erbe eingeschränkten Zugriff.
Die weitere Nutzung des Gebäudes ist derzeit noch nicht erforscht.

Objektbeschreibung: Das Werkstattgebäude (Hofgebäude) ist abgerissen. Das Vorderhaus ist ein Neubau.

Quellen/Literatur/Links:

  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (1. Teil): Die Abzeichen aus der Zeit 1892 bis 1913. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin.(IMM). Nr. 94. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 1999
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 2): Die Abzeichen aus der Zeit 1914 bis 1935. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 97. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2000
  • Der Leipziger Abzeichenhersteller Wilhelm Helbing (Teil 3): Abzeichen aus der Zeit um 1900 bis 1964. In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 105. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2002
  • Die Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil IV). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 108. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • Leipziger Vereinsabzeichenfabrik Wilhelm Helbing (Teil V). In: Nickel, Heinz (Hrsg.): Internationales Militaria-Magazin. (IMM). Nr. 110. Das aktuelle Magazin für Orden, Militaria und Zeitgeschichte. Zweibrücken, VDM Heinz Nickel Verlag, 2003
  • www.lindenauerstadtteilverein.de/jüdisches-leben-in-lindenau

Autor: Frank Heyme

Datum: 19.02.2020

Abbildungen:




Rudolph Sack

Titel des Objektes:
früher: Landmaschinenfabrik Rudolph Sack, später Rudolph Sack KG
DDR: VEB Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG)
heute: weitgehend abgerissen, nur noch da Capo und GARAGE

Adresse:
Karl-Heine-Str. 78-88, 90, 95, 99-101, 103/105
Weißenfelser Str. 67
Aurelienstraße 62/64
PLZ 04229

Stadtteil: Plagwitz

Industriezweig/Branche/Kategorie: Landmaschinenbau

Datierung: 1863

Objektgröße: 75.000 m²

Bau- und Firmengeschichte:
Eines der herausragendsten Beispiele für die beachtlichen Expansionsaktivitäten einzelner Firmen in Plagwitz ist das der Landmaschinenfabrik Rudolph Sack. Der erfahrene Landwirt Rudolph Sack hatte bereits 1854 in Löben bei Lützen mit dem Bau selbst entwickelter landwirtschaftlicher Geräte begonnen. Auf persönliches Betreiben Karl Heines hin siedelte Rudolph Sack, von Unternehmergeist beseelt, 1863 mit einigen Beschäftigen nach Plagwitz über und gründete seine Firma. Mit nur fünf Angestellten bezog das Unternehmen in den angemieteten Räumlichkeiten der kleinen Eisengießerei von Kaspar Dambacher in der Alten Straße vorübergehend Quartier, bevor Rudolph Sack begann, durch eine wohl durchdachte Ankaufspolitik ein riesiges Firmenareal in Plagwitz aufzubauen.
Zunächst errichtete er 1867 auf dem Grundstück der heutigen Karl-Heine-Straße 95 eigene Fabrikgebäude zur Produktion von Pflügen, Krümelwalzen, Hack- und Drillmaschinen sowie ein Wohnhaus. Bei sich bietender Gelegenheit erwarb er benachbarte Firmengelände. Das rasch expandierende Unternehmen umfasste binnen kurzer Zeit das gesamte Areal zwischen Kanal und Gießerstraße sowie Karl-Heine- und Weißenfelser Straße. In wenigen Jahren entwickelte sich die Firma zum Großunternehmen mit 25 Gebäuden. 1891 erfolgte die Umwandlung des Unternehmens in eine Kommanditgesellschaft.
1900 verstarb der Firmengründer Rudolph Sack, die Leitung der Kommanditgesellschaft übernahmen seine Söhne Paul und Otto Sack. Infolge der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er Jahre wurden viele Arbeiter entlassen. Durch die Umstellung auf geheime Kriegsproduktion (z.B. MG-Wagen) ab 1934 stellten sich jedoch wieder ökonomische Erfolge ein. Umfangreiche Gewinne erwirtschafteten auch die Kriegsgefangenen, die ab 1942 in der Firma arbeiteten. Aus diesem Grund wurde der Betrieb 1945 sofort stillgelegt, Otto Sack verhaftet und später als Kriegsverbrecher verurteilt. Ab 1946 verwaltete die Landesregierung Sachsen den Betrieb treuhänderisch.
Seit 1948 wurden unter dem Namen VEB Leipziger Bodenbearbeitungsgeräte (BBG) bis zum Ende der DDR Landmaschinen produziert. Mit über 1000 Beschäftigten war der BBG zu diesem Zeitpunkt der größte Landtechnikhersteller in der DDR. Ab 1983: VEB Bodenbearbeitungsgeräte Karl Marx Leipzig (VEB BBG).
1990 wurde der VEB BBG zum BBG Leipzig AG umgewandelt. 1993 erfolgte die Bildung der BBG Leipzig GmbH. 1994 wurde die Produktion auf dem Plagwitzer Gelände eingestellt und auf einen neuen Standort, in ein Gewerbegebiet bei Großzschocher als BBG Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig GmbH & Co. KG im Unternehmensverbund der Amazonen-Werke H. Dreyer GmbH & Co. KG. verlegt. Die Verwaltung des ehemaligen Plagwitzer Firmenareals samt Bebauung übernahm die Treuhand – Liegenschaftsgesellschaft mbH, bis 1996 die Stadt Leipzig nach langen Verhandlungen ein ca. 4 ha umfassendes Teilgrundstück erwarb.
Von den Gebäuden existieren nur noch die ehemalige Graugießerei Ecke Gießerstraße / Karl-Heine-Straße in dem sich ein Oldtimermuseum mit dem Flugzeug IL18 auf dem Dach und eine Halle, die für das Gastronomieunternehmen da Capo der Hotel Michaelis GmbH genutzt wird. Ausgangspunkt für diese Nutzung war der Plan des Unternehmers Manfred Rübesam (+), aus Plagwitz eine Hochhauscity zu machen. Diese Gebäude sind vorwiegend Klinkerbauten mit Industrieverglasung.
Weiterhin existiert noch das als GaraGe bezeichnete Gebäude Karl-Heine-Str. 97.
Die Grundstücke zwischen Karl-Heine- und Aurelienstraße sind völlig beräumt. Seit der Expo 2000 werden diese als Jahrtausendfeld bezeichnet und unterschiedlich kreativ genutzt. Ein Bebauungsplan ist z.Zt. nicht bekannt.
Zu erwähnen ist noch die für den Sohn Gustav Rudolph Friedrich Sack 1909 erbaute Villa in der Karl-Heine-Str.12, die heute vom 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes genutzt wird.

Quellen/Literatur/Links:

Autor/in: Juliane Gölzner, Nachtrag: Helmut Sander

Datum: von Juliane Gölzner : unbekannt; Nachtrag: 15.04.2018