Dr. Trenkler & Co.

Titel des Objekts:
Dr. Bruno Trenkler & Co.

Adresse:
Untere Eichstädtstr. 11

Stadtteil:
Leipzig-Stötteritz

Industriezweig/Branche/Kategorie:
Polygraphisches Unternehmen mit Schwerpunkt Ansichtskarten und Fotoaufnahmen

Kurzcharakteristik:
gelber Klinkerbau, Fassade mit roten Klinkern strukturiert, 5 Etagen. Architekt: Büro Franke und Wedekamp

Datierung:
1904

Objektgröße:
ca. 800m² pro Etage

Ursprüngliche Nutzung:
Polygraphischer Großbetrieb, später durch Eigentümerwechsel Herstellung elektrotechnischer Erzeugnisse , zuletzt Bürogebäude

Heutige Nutzung:
derzeit ungenutzt, recht guter Bauzustand, da Haus durch Umnutzung zum Bürogebäude in den 1990er Jahren bereits saniert wurde, Areal wird durch die Firma Hildebrand einer neuen Nutzung zugeführt

Bau- und Firmengeschichte:
Der Inhaber wurde 1863 geboren und studierte Chemie an der Universität Würzburg. 1887 bekam er den Doktortitel mit 24 Jahren verliehen. Danach führte ihn sein weiterer Lebensweg nach Leipzig.Im heutigen Stadtteil Neu-Reudnitz befand sich der Ursprung der Firma. Dort begann 1894 Herr Trenkler mit knapp einem halben Dutzend Arbeitern den Aufbau einer noch recht kleinen Druckerei. Ort des Geschehens war die jetzige Cäcilienstraße, wo er Räume angemietet hatte. Der Anfang war für den 31jährigen Chef nicht leicht, da die Firma noch in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte. Der Druck von Ansichtskarten als neue Form der Postkarte brachte schließlich den Erfolg. Dr.Trenkler setzte sich für technische Verbesserungen in der Herstellung ein und hatte das Potential des neuen Mediums „Ansichtskarte“ erkannt. Eine wichtige Errungenschaft war ein leistungsfähiges Reproduktionsverfahren, an dessen Entwicklung Dr. Trenkler hohen Anteil hatte. Kaufmännische Unterstützung erhielt er durch die Mitarbeit von Herrn Gustav Jährig. Alle Städte und Gemeinden wollten in dieser Zeit ihre Sehenswürdigkeiten sowie die umgebende Landschaft zeigen. Es entstand ein hart umkämpfter Markt um kolorierte Ansichtskarten aus zahlreichen Städten und verschiedenen Ländern – viele wollten an diesem Geschäft verdienen. Bald mussten neue Räume beschafft werden und die Firma verteilte sich auf inzwischen 5 Straßen. Dieser Zustand war natürlich für eine durchgehende und zeitgemäße Herstellung hinderlich.
So erwarb Herr Trenkler 1901 ein Grundstück in der Unteren Eichstädtstr. 11. Darauf ließ er ein mehrgeschossiges Fabrikgebäude errichten. Als Architekt wurde das Büro Franke und Wedekamp beauftragt. Fertigstellung des neuen Hauses war 1904 – nun waren die verschiedenen Herstellungstechniken wie Licht- Buch-, Steindruck, Dreifarbenätzerei, Buchbindung plus die nötigen fotografischen Ateliers unter einem Dach vereint. Ein Jahr zuvor war ein Dresdner Bürger, Max Hoffmann, als Teilhaber zur Firma gekommen und konnte so Unterstützung leisten, mit der Aussicht auf einen guten Gewinn in den Folgejahren.
In Jahr 1909 hatte die Trenklersche Kunstanstalt bereits 700 Arbeiter angestellt und ca. 130 Druckerpressen liefen auf Hochtouren. In einem Koloriersaal arbeiteten bis zu 100 Frauen mit Schablonen an der farbigen Bearbeitung der Ansichtskarten. Die Entlohnung der Frauen war niedrig… Täglich konnten bis zu 20.000 Karten die Welt farbig zeigen. Ein Zeichenatelier fertigte nach Bedarf repräsentative Rahmen für die Karten oder Darstellungen in besonders großen Formaten. In den Kellerräumen befand sich ein umfangreiches Papierlager. Im Verlags-und Hauptkontor sorgen fast 60 Mitarbeiter für eine korrekte Buchhaltung und ein reibungsloses weltweites Versandgeschäft. Und das alles ohne Bahnanschluss, Anfangs erfolgte der Transport zum Bahnhof ausschließlich mit Pferdefuhrwerken!
Die Firma erreichte ihre Blütezeit bis in die 1920er Jahre und lieferte Ansichtskarten in viele Länder der Erde. Oft gab es von einem Motiv auch eine Nachtansicht. Zusätzlich wurden Werbepublikationen für Industriebetriebe in dem Haus nach Kundenwunsch in hoher Qualität gefertigt. Die Fa. Trenkler besaß einen ausgezeichneten Ruf und konnte technisch so alles realisieren was zu dieser Zeit im Bereich Fotographie und Kunstdruck möglich war. So bekam sie 1913 zur Internationalen Baufachausstellung in Leipzig das alleinige Fotorecht.
Die besondere Qualität der Erzeugnisse brachte viele Preise und Anerkennungen ein. So 1909 eine Goldmedaille auf einer „Internationalen Fachausstellung für Photographie“. Auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel wurde der Firma ein Ehrendiplom verliehen. Auch in den Folgejahren mangelte es nicht an Würdigungen. 1910 sollte ein Südflügel die Anlage vergrößern – er wurde jedoch nie errichtet. Pro Woche verließen bis zu drei Millionen Ansichtskarten den Versand. Reisende Vertriebsmitarbeiter übernahmen die Werbearbeit mit tausenden von Mustern.In verschiedenen europäischen Städten z.B. in Brüssel oder Den Haag befanden sich eigene Firmenvertretungen. Für neue Motive aus dem In- und Ausland sorgten damals bis zu 10 reisende und gut ausgebildete Fotographen. Es soll einen Bestand von ca. 25.000 Ansichtskarten als Musterkatalog existiert haben. Eine fast unvorstellbare Anzahl, von denen der größte Teil Stadtansichten waren.
Am 10. September 1926 starb der Firmengründer Dr. Bruno Trenkler. Er fand auf dem Südfriedhof seine letzte Ruhe.
Die Weltfirma gliederte die Ansichtskartenproduktion aus. Eine Druckerei in der Dessauer Straße 13 übernahm diese Aufgaben. Gleichzeitig kam es zu Spaltungen der Firma. So waren die Räume in der Unteren Eichstädtstr. 11 nicht mehr voll ausgelastet. Sicher spielte die Weltwirtschaftskriese auch noch eine Rolle.
1925 beginnt die Firma „Dr. Dietz & Ritter“ Fabrik für Radio-Erzeugnisse und Transformatoren in diesem Haus mit der Produktion. Später in den 1930er Jahren werden hier Radios der Marke „Körting“ hergestellt. In den folgenden Jahren wurde die Firma auch in die Aufrüstung einbezogen. Zeitzeugen berichteten von Prüfungen/Rütteltests von Bordfunkgeräten für Flugzeuge in diesem Haus.
Nach dem 2.Weltkrieg folgt die Enteignung/ Demontage da das Werk in die Rüstungsindustrie eingebunden war. Schwere Zeiten brechen für die Mitarbeiter an, um mit dem wenigen noch vorhandenen Mitteln eine Produktion einzurichten. 1948 gehörte das Objekt zum damaligen „VEB Funkwerk Leipzig“. Der weitere Weg des Hauses als Teil des „VEB Fernmeldewerk Leipzig“ ist für die kommenden Jahrzehnte vorgegeben.
Ab 1990 wurde die Firma „Siemens-Kommunikationstechnik GmbH“ das Nachfolgeunternehmen. Das Haus wurde saniert und als Bürogebäude genutzt. Seit einigen Jahren ungenutzt, wartet das unter Denkmalschutz stehende Fabrikgebäude auf neue Nutzer. Im Hof ist noch das Heizhaus mit Schornstein zu sehen. Die Fa. Hildebrand Immobilien arbeitet an einer neuen Nutzung für das Haus einer einstigen Weltfirma.

Quellen/Literatur/Links:
„Stötteritz “ ein Leipziger Stadtteillexikon Verlag: Pro Leipzig e.V., Gerhild Schwendler
Wikipedia, „Dr. Trenkler & Co“

Autor/in:
M. Mann

Datum:
20.03.2017

Abbildungen:
M. Mann 18.01.2016 – Ansichtskartenmotiv von Stötteritz der Firma Trenkler von 1910 (Eigentümer: Leibniz Institut für Länderkunde)
Firmenlogo von 1907 Quelle: Wikipedia