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Hauptpost | Katalog der Leipziger Industriekultur

Hauptpost

Titel des Objekts:
Hauptpost

Adresse:
Augustusplatz, Ecke Grimmaischer Steinweg und Georgiring

Stadtteil:
Zentrum-Ost

Industriezweig/Branche/Kategorie:
Post, Telekommunikation

Kurzcharakteristik:
Hauptstelle der Deutschen Post in Leipzig

Datierung:
1961 bis 1964

Objektgröße:

Ursprüngliche Nutzung:
Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR, Postdienststelle der Deutschen Post bis Neubau, Post- und Postbankfiliale bis 2011

Heutige Nutzung:
Ab 2018: Wohnungen, Studentenapartments, Einzelhandel

Bau- und Firmengeschichte:
Im Jahr 1959 wurden die Planungen für ein neues Hauptpostamt aufgenommen, nachdem das alte 1943 zerstört wurde. Am selben Standort errichte man nach Entwürfen des Chefarchitekten im Ministerium für Post- und Fernmeldewesen der DDR, Kurt Nowotny, 1961 bis 1964 einen Neubau. Das 110 Meter lange Gebäude erbaute man in Stahlbeton und Skeletbauweise. Die Bauzeit betrug drei Jahre und sieben Monate, damit wurde auch der Kostenrahmen gesprengt. Dies lag aber auch an der hochwertigen Ausstattung, was jedoch nicht üblich in der DDR war. Man investierte 15,5 Millionen DDR-Mark. Der Bau hat acht Stockwerke (Keller, Erdgeschoss und sechs Obergeschosse) mit einem vorgesetzten Fassadenteil aus Sichtbeton, Aluminium und Glas. An der Ecke zur Kreuzung hing oben eine Uhr, die vor etwa einem Jahrzehnt abgebrannt ist. Die Hauptpost hatte die Funktionen eines zentralen Postamts und eines Fernmelde- und Telegrafenamts. Hier war auch die Postdirektion des Bezirks Leipzig untergebracht. Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) hatte hier gesonderte Räume der Abteilung M (Postkontrolle) zur Überwachung der Brief- und Paketpost eingerichtet. Außerdem gab es Abhöranlagen im Fernmeldeamt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1990 wurde die Deutsche Bundespost privatisiert und in drei Unternehmen geteilt und dadurch verlor die Hauptpost immer mehr an Bedeutung. Im Jahr 1992 baute die Deutsche Telekom AG am Johannisplatz ein neues Verwaltungsgebäude für die Niederlassung Leipzig. 1996 errichtete dann die Deutsche Post AG ein neues Postverteilungszentrum in Radefeld (nördlich von Leipzig). Und die Postbank zog in einen Neubau am Stannebeinplatz (Schönefeld, nähe Postbahnhof). Die Hauptpost stand bis auf die Schalterhalle leer, wo die Postbank bis Juli 2011 noch eine Filiale betrieb, die dann an den Brühl umzog. Danach, aber auch schon einige Zeit zuvor, wurde das Gebäude interessant für Eventmacher und Filmproduktionen.

In den letzten Jahren gab es viele Pläne, die Hauptpost neu zu nutzen. Dabei standen immer wieder Studentenapartments im Mittelpunkt. 2007 verkaufte die Deutsche Telekom AG in einem umstrittenen Bieterverfahren an die Youniq AG aus Frankfurt (vorher Alta Fides AG). Erstes Ziel war ein 4-Sterne-Hotel mit 270 Zimmern und einem Kongresszentrum, plus 200 Studentenapartments. 2011 folgte die Grand City Hotels GmbH aus Berlin, auch sie scheiterten mit einem Hotel, geplant waren drei Sterne plus. 2013 kaufte dann der Leipziger Projektentwickler KSW das Ensemble an Augustusplatz und Grimmaischen Steinweg und hisste auch (s)eine Flagge auf dem Dach. Schwerpunkte bei der Neunutzung sind Wissenschaftler, Startup-Unternehmen und Studenten. Im Angebot sind 384 Studentenapartments und 85 Service-Wohnungen sowie eine Tiefgarage. So sollen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen ins Haus einziehen. Die „Mensa am Park“ der Universität Leipzig ist stets immer voll, weshalb eine privat betriebene Mensa in der historischen Schalterhalle und der Fernsprechhalle einziehen und als ergänzendes Angebot dienen soll. Im Erdgeschoss ist Einzelhandel geplant, wie beispielsweise ein Bäcker, Bio- und Supermarkt und eine Drogerie. Auch eine Bank und natürlich eine Postfiliale sollen ebenso einziehen. Auffällig sein wird die Fassade, die von ihren himmelblauen Glasflächen durch ein elegantes schwarz und Bronze getauscht wird. Auf dem Dach entsteht ein zweistöckiger Glasaufbau mit einer Panoramabar, auf der man einen wunderschönen Ausblick auf die Stadt haben wird. Im Juli 2014 wurde ein Offener Brief an Leipzigs Oberbürgermeister von 28 Prominenten versendet, mit der Bitte, sich um den Erhalt der denkmalgeschützten Fassade und gegen den Dachaufbau einzusetzen. Im September folgte ein öffentliches Streitgespräch, an dem ein Architekturprofessor/beauftragtes Architekturbüro, ein Kunsthistoriker und ein Landesdenkmalpfleger teilnahmen. Im Januar 2015 reichte die KSW einen Bauantrag ein und man wolle mit den Arbeiten im Mai selben Jahres beginnen. Man hat sich mit der Stadt Leipzig und dem Landesamt für Denkmalpflege Sachsen geeinigt, dass die Aluminiumfassade ihre Originalfarbe behält. Da die Fassade heute jedoch verschiedenen Richtlinien entsprechen muss, wie Lärmminderung, wird sie originalgetreu rekonstruiert. Der Dachaufbau wird um einige Höhenmeter verringert – nördlich zieht ein Tagungszentrum und südlich die Skybar ein. Die 461 Studentenapartments verteilen sich im Ensemble – Betreiber ist die Younig AG. In der Fernsprechhalle soll ein Buffet-Restaurant auf zwei Stockwerken entstehen. Die Fertigstellung ist für 2018 vorgesehen.

Objektbeschreibung:
Die ehemalige Hauptpost befindet sich am Augustusplatz Ecke Grimmaischer Steinweg im Stadtzentrum. Das aus DDR-Zeiten stammende Gebäude ist ein architektonischer Hingucker, da es mit seiner Form und Vorhangfassade heraussticht. Ab 2018 wird hier neues Leben einziehen.

Quellen/Literatur/Links:
BAUSTEIN-Magazin Nr. 8, 1/2015, www.netzwerk-stadtforen.de

Autor:
Dave Tarassow

Datum:
22.11.2017

Abbildungen:
Dave Tarassow
KSW