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Heizkraftwerk Süd | Katalog der Leipziger Industriekultur

Heizkraftwerk Süd

Heizkraftwerk Leipzig-Süd /Stadtwerke Leipzig GmbH (ehem. Südwerk der Leipziger Electrizitätswerke AG)

Adresse: 04279 Leipzig, Bornaische Str. 120
Stadtteil: Lößnig-Dölitz
Industriezweig/Branche/Kategorie: Energieversorgung/Kraft- und Heizwerke
Kurzcharakteristik: ehemaliges Elektrizitätswerk auf Braunkohlenbasis
Datierung:
1908 bis 1910/1926/1943: Neu-und Ausbau
1945: Reparationsleistungen
1963: Brand-Havarie
1994: Neubau HWE
1996: Stilllegung der Anlagen

Objektgröße: ca.30.000 m² (grobe Schätzung)

Ursprüngliche Nutzung: Kraftwerk /Strom- und Fernwärmeerzeugung (Stilllegung 1996)

Heutige Nutzung:
Anlage zur Einspeisung der vom KW Lippendorf erzeugten Fernwärme über eine 15 km lange, unterirdisch verlegte Rohrleitung. Bereitstellung der Fernwärme für das Stadtgebiet Leipzig.
Ausbildungszentrum der Stadtwerke sowie der LVV
Umspannwerk 110 KV
Fremdvermietung von Büro-/Lagerräumen

Bau- und Firmengeschichte:
Nach 1900 herrschte eine enorme Aufbruchsstimmung in der Messestadt Leipzig. Die Wirtschaft boomte, die Bevölkerung wuchs rasant und es wurden in kurzer Zeit eine große Anzahl von Betrieben, Verwaltungen und Wohnungen errichtet. Dazu zählten zum Beispiel der Hauptbahnhof, der Schlachthof, diverse Krankenhäuser, die Universität und verscheidnene Kasernen. Eine grobe Zählung ergab 1907, dass in Leipzig 16.426 Handelsbetriebe mit ca. 50.000 Beschäftigten, 22.000 Industriebetriebe mit 150.000 Beschäftigten und eine Vielzahl von Verwaltungen mit 1.890 Beschäftigten ansässig waren. Von den Industriebetrieben nutzten bereits ca. 2.600 die Elektroenergie, Tendenz weiter steigend. Die Kapazität des Nordwerkes, von dem ein großer Teil der Betriebe versorgt wurde, hatte damit fast die Leistungs- bzw. Liefergrenze erreicht.
Neben dem Städtischen Nordwerk (heute: GuD – HKW Nord) gab es in Leipzig um 1905 zur Stromerzeugung noch eine Vielzahl von kleineren, dezentralen Erzeugereinheiten, die in Industriebetrieben aller Art standen. Die Erzeugerleistung reichte jedoch meist nicht aus, um den gewünschten bzw. erforderlichen Strombedarf der Firmen zu decken.
Um Versorgungsengpässe zu vermeiden und die Entwicklung der Wirtschaft nicht zu behindern, war der Neubau eines zweiten Elektrizitätswerkes dringend geboten. Die Entscheidung hierfür erfolgte Anfang 1906. Im Februar 1908 erteilten dann die Stadtverordneten ihre Zustimmung zum Bau des neuen Werkes auf dem Gelände einer ehem. Ziegelei im Süden der Stadt. Für die Wahl des Standortes spielten die in der Nähe verlaufende Mühlpleiße (Wasser), die Bahnlinie Leipzig-Altenburg (Transport) sowie der Dölitzer Schacht (Braunkohle) eine wichtige Rolle. Vorgegeben wurden, neben der Kraftwerksleistung, die Größe von Kesselhaus und Maschinenhalle sowie ein 75 Meter hoher Schornstein. Des Weiteren die Außenfassaden, die in einem gelben Ziegelrohbau, unterbrochen durch Sandsteigesimse und belebt durch eingefügte, farbig glasierte Steine auszuführen waren. Für technische Büros, Zählerwerkstätten und Eichräume wurden zwei Gebäude im Landhausstil an der Mühlpleiße errichtet.
Im August 1908 begangen die Bauarbeiten. Die Inbetriebnahme des neuen Südwerks und damit verbunden, die längerfristige Sicherstellung der Stromversorgung für Industrie und Bevölkerung (ca. 430.000 EW) der Stadt Leipzig, erfolgte im April 1910.
Bereits im Januar 1925 wurde eine erste Erweiterung des Maschinenparks im Südwerk notwendig. Dazu wurde u.a. ein17 MW Turbogenerator montiert. Dem folgte1927 ein zweiter im Verbund mit einer 3 MW Vorschaltturbine. 1937erhält das Südwerk mit einer 22 MW-Ljungströmmaschine die derzeit modernste Anlage zur Stromerzeugung. Im Jahr 1943 kommt ein neuer Kessel mit dem dazugehörigen Schornstein hinzu.
Nach dem 2. Weltkrieg ordnet die Sowjetische Militäradministration eine weitgehende Demontage der Kraftwerksanlagen als Reparationsleistung an.
Am 21. April 1963 kommt es im Maschinenhaus des Südwerkes ,auf Grund von Wartugsfehlern ,zu einem Großbrand, der den Totalausfall des Werkes nach sich zieht. Der Wiederaufbau wurde, in Bezug auf technische Ausrüstung und bauliche Hülle, wo es möglich war, den damaligen Stand der Technik angepasst. Bedingt durch den Einsatz von Rohbraunkohle zur Energieerzeugung und dem Fehlen leistungsstarker Filteranlagenwurden die Grenzwerte zum Umweltschutz in der Regel nicht immer eingehalten.
Im Jahr 1994 wird als letzte Großinvestition ein Erdgas befeuerter Dampferzeuger errichtet (Südseite Maschinenhalle). Er wurde allerdings nie in Betrieb genommen. Später wurde das Werk zurückgebaut und der Standort als Stätte der Energieerzeugung abgemeldet.

Objektbeschreibung:
Das ausgewählte Baugrundstück, fast idyllisch an der Bornaischen Straße 120 gelegen, war als Kraftwerksstandort ideal. Dazu zählte die Untertage-Braunkohlengrube (Schacht Dölitz), die nahe Mühlpleiße zur Entnahme des Kondensationswassers, der Eisenbahnanschluss (Strecke Leipzig-Altenburg) zur Anlieferung der Kohle und der Ascheabfuhr. Alle zur Stromerzeugung notwendigen Anlagen und Gebäude wurden auf dem Gelände im Stil des damals modernen Industriebaus errichtet. Dazu zählten u.a. die Strom-Umspannlagen, Kesselhaus, Maschinenhalle und der Kohlelagerplatz. Dieser wurde im Zeitraum von der Inbetriebnahme 1910 bis Mitte März 1925 z.T. mit Pferdegespannen von der Braunkohle-Untertagegrube an der Friederiken Straße beliefert. Um billiger zu transportieren wurde später die Kohleanfuhr aus der Untertagegrube Dölitz über eine Strecke von ca. 1.000 Metern, mittels einer von der Leipziger Firma Bleichert erichteten offenen Drahtseilbahn, realisiert. Auf der Rückfahrt wurde die Kraftwerksasche mittels der am Seil aufgehängten offenen Loren zum Schacht Dölitz transportiert. Die gesamte Seilbahn wurde nach einer relativ kurzen Betriebszeit, insbesondere aber auf Grund von Klagen der Bevölkerung, z. B. über Staubbelastung im Bereich der der Drahtseile, wieder stillgelegt und später abgerissen.
Die Anlieferung der Rohbraunkohle, deren Lagerung und Bereitstellung an den Kesseln, wurde völlig neu gestaltet. Über eine Bandbrücke, die über der Eisenbahntrasse angeordnet war, wurden Kesselhaus und Lagerplatz miteinander verbunden. Die Entladung der Kohlewaggons erfolgte im Freien, der Regel mit Spezialwaggons der Reichsbahn. In den Wintermonaten war oft ein hoher Aufwand an Menschen und Material notwendig, um die oft nasse und angefrorene Kohle aus den Waggons zu bekommen.

Quellen/Literatur/Links:
– 100 Jahre Strom für Leipzig, Stadtwerke Leipzig, 1995
– Leipziger Dampfnetz, Festschrift 1999, Stadtwerke Leipzig
– eigene Aufzeichnungen

Autor: Peter Rosenbusch

Datum: 25.11.2015

Abbildungen: Peter Rosenbusch
– Bild 1: Werkseinfahrt Bornaische Str. 120 (08/2014)
– Bild 2: Maschinenhalle Südseite (1963)
– Bild 3: HKW-Block (12/2014)
– Bild 4: Förderturm Leipzig-Dölitz (08/2014)