Büro- und Verwaltungsgebäude

Büro- und Verwaltungsgebäude
Zentrum-Nordwest

Humboldtstraße 2a
04105 Leipzig

Lage:
Wohn- und Villengebiet des Waldstraßenviertels

Kurzcharakteristik:
Verwaltungs- und Nutzbau

Datierung:
1922/23

Nutzung (ursprünglich)/Industriezweig/Branche:
Gebäude wurde ursprünglich als Verwaltungsgebäude für das Bauunternehmen Kell & Löser, Leipzig und Dresden errichtet.
Nutzungsdauer des ursprünglichen Eigentümers ist unbekannt, wahrscheinlich nur bis Anfang der 30er Jahre. 1939 wurde das Gebäude von der Versicherungsanstalt der sächsischen Gewerbekammern genutzt. 1949 sind als Mieter u. a. die Handwerkskammer Leipzig, zwei Einkaufsgenossenschaften und zwei chem. pharmazeutische Gewerbe verzeichnet. Ab dem Beginn des 21. Jahrhunderts nutzt die Krankenhausgesellschaft Sachsen e.V. Verband der Krankenhausträger im Freistaat Sachsen das Gebäude. In dieser Zeit wurde es auch saniert; zuletzt wurden im Jahre 2010 denkmalschutzgerechte Sprossenfenster eingebaut.

Bau- und Firmengeschichte:
Bauherr: Kell & Löser oHG (später Aktiengesellschaft).
Im Jahre 1903 gründete Arno Kell ein Büro für Architektur und Bauausführung in Leipzig. Fünf Jahre später trat der Ingenieur Benno Löser in das Büro ein, das ab 1922 unter dem Namen Kell & Löser AG für Hoch- und Tiefbau, Leipzig firmierte. 1931 schied Benno Löser aus der AG aus und gründete nachfolgend die Löser Bauunternehmung KG Dresden, die bis 1972 bestand. Der Betrieb wurde verstaatlicht und in VEB (St) Betonfensterwerk umbenannt, ab 1981 VEB (St) Baustoffe Dresden.
Die Firma erhielt Aufträge im Bereich des Hoch- und Tiefbaus und setzte vor allem Eisenbeton als Baustoff ein, u.a. war sie mitbeteiligt am Bau der Messehalle 16 in der alten Messe Leipzig, ehemals „Betonhalle“ der IBA 1913, auch „Pantheon“ genannt sowie am Staatsarchiv in Dresden.
Architekt n. b. Baujahr 1922/23

Charakterisierung:
Das 1922/23 errichtete Verwaltungsgebäude der Betonwerke Kell & Löser ist ein freistehender Eisenbetonbau mit roter Klinkerverblendung und hohem Mansardwalmdach. Es befindet sich in Ecklage Humboldt-/Jacobstraße, mit Eingang in der Humboldtstraße.
Das viergeschossige Gebäude nimmt die Geschosshöhe der umgebenden, vorwiegend gründerzeitlichen Bebauung auf. Vertikal wird der Bau durch eine umlaufende Pilasterreihung rhythmisiert. Die gemauerten Kolossalpilaster, die drei Geschosse zusammenfassen, sind lisenenartig, unter Verzicht auf Basis- und Kapitellelemente. Ein umlaufendes, auskragendes Gesims trennt das dritte Obergeschoss von den unteren. Den oberen Abschluss bildet ein flaches Traufgesims mit darunterliegendem Zahnschnitt. Das mächtige Walmdach weist zu allen Seiten hin Rundgauben auf.
Das an der Fassade sichtbare Verhältnis von Stütze und Last, besonders betont durch den Einsatz unterschiedlicher, farblich kontrastierender Materialien (Kombination aus Klinker und Putz), orientiert sich an klassischen Prinzipien. Der Bau entfaltet hierdurch eine monumentale Wirkung. Das sparsame Fassadendekor entspricht der Formenwelt des Art déco.
Trotz der strengen Sachlichkeit, die das Gebäude vermittelt, wirkt es wie ein Konglomerat aus einerseits Elemente der Moderne aufnehmenden, andererseits traditionelle Bauformen zitierenden Formensprache.
Ein Ausdruck hierfür sind neben der traditionellen Klinkerfassade und dem hohen Walmdach, auch die weißen Sprossenfenster.
Es bleibt zu klären, inwieweit die heutige Gliederung und Gestaltung des Gebäudes der ursprünglichen entspricht bzw. im Zuge von Baumaßnahmen im Laufe der Zeit verändert wurde.

Quellen und Literatur:
http://www.archiv.sachsen.de/archive/dresden/4448_3131373938.htm
Sikora, Bernd: Bauhaus und Art déco. Architektur der Zwanziger Jahre in Leipzig. Leipzig 2008.

Autor/in:
Juliane Gölzner, Hartmut Bräuninger