Saale-Leipzig-Kanal

Objekt: Saale-Leipzig-Kanal, im Volksmund auch Saale-Elster-Kanal oder Elster-Saale-Kanal – ein Kanal zur Verbindung von Elster und Saale

Stadtteil: Leipzig – Plagwitz, -Lindenau, -Böhlitz-Ehrenberg, Dölzig, Güntersdorf, Wüsteneutzsch, Kreypau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Verkehrswesen, Schifffahrt

Kurzcharakteristik: künstliche Wasserstraße zum Anschluss von Leipzig an die Saale und weiter an die Elbe und Nordsee

Datierung: ab 1856

Objektgröße:
Karl-Heine-Kanal inkl. Anschluss an den Lindenauer Hafen 3,3 km
Lindenauer Hafen bis Kanalanfang 75 m, Verbindung ist geplant
der eigentliche Saale-Leipzig-Kanal vom Lindenauer Hafen bis Schleuse Wüsteneutzsch 19 km, davon 11 km aktuell mit Wasser gefüllt
Schleuse Wüsteneutzsch bis zur Saale bei Kreypau ca. 6 km

Ursprüngliche Nutzung:  von der Elster bis zur Lützner Str. zum Transport der Aushubmassen; zur Wasserregulierung und zur Personenschifffahrt

Heutige Nutzung: von der Elster bis in den Lindenauer Hafen und von der Lyoner Str. bis Güntersdorf zur Personenschifffahrt

Objektbeschreibung, Bau- und Firmengeschichte: Carl Erdmann Heine (1819 – 1888), umgangssprachlich Karl Heine genannt, war ein Leipziger Jurist und Unternehmer. Dank des Vermögens seiner Mutter kaufte er in Größenordnungen Grundstücke im Leipziger Westen, besonders in Plagwitz. Er hatte das Ziel, diese Grundstücke vor allem verkehrstechnisch zu erschließen und an Unternehmer zu verkaufen. Er war damit erfolgreich. Die Einwohnerzahl in Plagwitz stieg von 387 im Jahr 1855 auf 13000 im Jahr 1888. 180 Fabrikschornsteine waren Ausdruck der Industrialisierung. Neben 37 Gleisanschlüssen plante und baute er auch einen Kanal. Damit verfolgte er 3 Ziele:

  • mit den Aushubmassen legte er Sumpfgebiete in der Leipziger Westvorstadt trocken,
  • diese wurden mit Schiffen auf dem Kanal transportiert,
  • mit dem Kanal sollte Leipzig über die Saale an die Elbe und damit an die Nordsee angeschlossen werden. Nebenbei wurde noch während der Bauzeit auch Ausflugsverkehr durchgeführt.

Der Bau begann 1856 von der Weißen Elster ausgehend. Karl Heine erlebte nur einen Teil der Fertigstellung. Er hatte vorsorglich eine Baugesellschaft gegründet. Der Kanalbau endete zunächst an der Lützner Straße, er hatte damit eine Länge von 2,6 km erreicht. Dieses Stück wird als „Karl-Heine-Kanal“ bezeichnet. Auf diesem Abschnitt entstanden 15 Straßen- und Eisenbahnbrücken.
1926 wurde die Fortsetzung des Kanalbaues beschlossen. Baubeginn war 1933 im Rahmen von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen der Nationalsozialisten. Kriegsbedingt wurden die Bauarbeiten 1943 beendet. In dieser Zeit wurden gebaut:

  • das Hafenbecken in Lindenau mit Silos,
  • ein ca. 11 km langes mit Wasser gefülltes Kanalstück bis Güntersdorf mit kompletter Ausrüstung, geeignet für Schiffe bis 1000 t
  • ein weiteres 8 km langes trockenes Kanalstück bis Wüsteneutzsch einschließlich des Rohbaues einer Sparschleuse

Zwischen dem Hafenbecken und dem Kanal sowie zwischen dem Hafenbecken und dem Karl-Heine-Kanal gab es keine Verbindung. Die 665 m lange Verbindung zum Karl-Heine-Kanal wurde 2015 hergestellt, die 75 m lange Verbindung zum Kanal ist geplant, sie erfordert den Bau einer Straßenbrücke für die Lyoner Straße. Damit wäre der durchgängige Schiffsverkehr zwischen Güntersdorf über den Karl-Heine-Kanal und die Flüsse in Leipzig bis in das Leipziger Neuseenland möglich. Ein Frachtverkehr ist jedoch nicht mehr vorgesehen. Der Anschluß an die Saale wird derzeit wirtschaftlich, rechtlich und technisch geprüft.
Der Karl-Heine-Kanal wurde bis 1990 nicht genutzt. Er ist zur Müllhalde verkommen. Nach 1990 wurde er beräumt und auf der ganzen Länge ein kombinierter Rad-/Fußweg angelegt. Zur Expo 2000 wurde er in die Gestaltung des Stadtteilparkes Plagwitz eingebunden. Seit dieser Zeit findet reger Bootsverkehr statt, der seit 2015 nun auch bis in das Hafenbecken möglich ist. Im Rahmen der Olympiabewerbung für 2012 sollte das Gelände des Lindenauer Hafens das Olympische Dorf werden, mit Wassertaxis zu den Sportstätten. Nach der Absage trat wieder Ruhe ein. Jetzt ist aktuell ein Wohngebiet geplant und befindet sich bereits im Bau. Am Kanal gibt es Bootsverleihe und zahlreiche Anlegestellen. Mit dem Anschluß an den Lindenauer Hafen ist wie oben beschrieben ein durchgängiger Bootsverkehr möglich.

Quellen/Literatur/Links:
eigene Kenntnisse
http://www.leipzig-lese.de/index.php?article_id=444
http://www.wasser-stadt-leipzig.de/de/vision.asp
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl-Heine-Kanal
http://www.saaleelster.de/index2.html
http://www.wsa-magdeburg.wsv.de/Wasserstrassen/Saale_und_Saale-Leipzig-Kanal/index.html

Autor/in: Helmut Sander

Datum: 06.02.2018

Abbildungen: