Schraderhaus

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Objekt: Schraderhaus (auch Schrader´s Haus genannt)

  • ursprünglich: Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik und andere Firmen der grafischen Industrie
  • DDR-Zeit: Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik / Druckhaus Einheit / Interdruck / Messedruck
  • nach 1990: Nutzung hauptsächlich als Bürogebäude
  • heute: Leerstand
  • geplant: Umbau zum Schulgebäude

Adresse: Täubchenweg 26 04317 Leipzig
Stadtteil: Reudnitz

Industriezweig /Branche /Kategorie: ursprünglich grafische Industrie

Datierung – Bauzeit: 1911-1912

Objektgröße: Geschossfläche ca. 13200 m² – bei einer Grundstücksfläche von ca. 2200 m²

Bau- und Firmengeschichte:
1890: Firmengründung der Gebr. Schrader Briefumschlagfabrik, Standort zunächst Hospitalstr. 14, ab ca.1893 Seeburgstr. 35 bzw. 57 (Hausnummer-Änderung), bis 1912 Göschenstr. 6
1911-1912: Bau des riesigen Gebäudes als Druckereigebäude unter dem Kaufmann Wilhelm Schrader, Architekten: Wetzold und Beyer.
1912: Auch andere Firmen der grafischen Industrie ziehen in das Gebäude ein, z.B. ein Teil des Otto Spamer Verlages (bis ca.1921), im Erdgeschoss sind Verlag, Binderei und Lager etabliert.
1945: Das Gebäude übersteht die Bombenangriffe relativ unbeschadet.
Zu DDR-Zeiten ist hier auch mehrere Jahre der VEB Messedruck Leipzig etabliert.
1971: Letztmaliger Eintrag im Leipziger Telefonbuch zu Firma Gebr. Schrader KG. 1972 erfolgt die Verstaatlichung.
1990: Schließung als Druckereistandort. 1991 bis 1994 wird das Objekt aufwendig zur Umnutzung für Büros bzw. Gewerbe, Wohnungen im Dachraum und Gastronomie im Untergeschoss saniert.
2016: Verkauf des Gebäudes an einen Privateigentümer. Es folgt die Kündigung von Mietverträgen.
2018: Im Februar muss der Szene-Club „4 rooms“ schließen.
2018: Im April kauft die Stadt Leipzig das Objekt für 10,3 Mio. € von einem österreichischen Investor zurück.
2019: Das Gebäude steht leer.
2020: Von Jan. bis Febr. 2022 Umbau als Schulgebäude für ein 4-zügiges Gymnasium für ca. 1130 Personen.
Besondere Baumaßnahmen: Einbau eines innenliegenden Treppenhauses in Form einer Doppel-Helix und die Errichtung eines zusätzlichen 3. Einganges an der Heinrichstraße, der zum Haupteingang werden soll. Gegenüber vom Schraderhaus befindet sich das Gebäude der 125. Schule (Oberschule) und der Wilhelm-Busch-Schule (Grundschule). Dementsprechend sind gute Voraussetzungen für einen Schulcampus mit gemeinsam nutzbaren Freiflächen gegeben. Dies ist sinnvoll, da die Hoffläche der ehemaligen Fabrik relativ klein ist.

Objektbeschreibung:
Der U-förmiger Gebäudegrundriss der Fabrik folgt den nicht rechtwinklig zueinanderstehenden Straßenführungen von Täubchenweg, Heinrichstraße und Baedeckerstraße.
Das Fabrikgebäude ist (heute) 7-geschossig, incl. 2 Dachstockwerken sowie Tiefparterre (Untergeschoss).
Geschossfläche ca. 13.200 m² (Summe aller Nutzflächen).
2 große Toreinfahrten an Nord- und Südseite mit schmiedeeisernen Torflügeln. Einen repräsentativen Haupteingang gibt es nicht, wie z.B. bei den Globuswerken, Limburgerstr. 74.
Bauweise: Stahlbetonbau mit gelber Klinker-Putz-Fassade.
Lisenen-Gliederung – das heißt schmale, leicht hervortretende senkrechte Verstärkungen der Außenwand, ohne Unterbrechung zwischen den Stockwerken, aber zusätzlich mit Kapitellen wie bei Pilastern.
Gesimse – diese waagerechten Hervorhebungen sind eher untergeordnet. – weiße Putzflächen unterhalb der Fenster (Fensterbrüstung – Brüstungsschürze) ergeben dagegen eine starke waagerechte Betonung.
Eckbetonung durch 5 große Mansardgiebel an den 3 begrenzenden Straßenseiten.
Mansarddächer – zusätzlich abgesetzt mit geraden Schleppgauben.
zwei 180-Grad-Glasdachkuppeln auf den beiden äußeren Gebäudeecken sowie Glasüberdachungen für das Tiefgeschoss an der Gebäude-Hofseite – sehr modern wirkend. Es wären Hinweise auf die Geburtsstunde der Moderne! Doch war das schon ursprünglich so projektiert? Hinweise das dem so nicht ist zeigt ein Briefkopf von 1936 mit dem gezeichneten Gebäude. Hier ist eine Kegelspitze mit Schindeldach zu erkennen – jedoch keine Glaskuppel. Blicktipp: Die komplizierte Dachform kann man eigentlich nur per Ballonfahrt oder gratis mittels Luftbildaufnahmen z.B. bei Google-Earth erfassen!
Gebäude mit Denkmalschutz-Nr.: 09290028 (Täubchenweg 26) und 09290013 (Baedeckerstr. 5, früher Nr.28 bzw. Charlottenstr. 28)

Quellen / Literatur / Links:

Autor: Thomas Wommer Datum: 16.06.2019

Abbildungen: (werden nachgereicht)