Alte Fabrik

Sebastian-Bach-Straße 4/6 Hinterhof
04109 Leipzig
Zentrum-West

Kurzcharakteristik:
Saniertes Geschäftshaus

Datierung:
um 1920

Nutzung (ursprünglich)/Industriezweig/Branche:
Nutzung des Gebäudes durch die Firma Müller und Hoffmann, Elektrische Apparate für den Friseurbedarf bis wahrscheinlich 1954. Nutzung zu DDR-Zeiten derzeit nicht bekannt. Heutige Nutzung u.a. durch Ingenieurbüro und Physiotherapie

Bau- und Firmengeschichte:
Vorderhaus Nr. 6 wurde durch Emil Franz Hänsel gebaut. Da das Hinterhaus eher in der Zeit nach 1920 errichtet wurde und somit nicht zum Historismus oder Jugenstil – den bevorzugten Bausstilen des Leipziger Architekten – zu zählen ist, war der Architekt wahrscheinlich nicht Emil Franz Hänsel. Die über mehrere Jahrzehnte dort ansässige Firma (heute unter dem Namen Müholos-Werk Alfred Müller GmbH & Co, bekannt) kann auf eine lange Geschichte blicken. Sie wurde 1909 von Reinhold Müller und Otto Hoffmann unter dem Namen Müller & Hoffmann in Leipzig gegründet.

Hergestellt wurden anfangs Friseur-Großtrockenanlagen, deren Antriebsaggregate so riesig waren, dass sie im Keller aufgebaut werden mussten. Mit der technischen Weiterentwicklung verringerten sich die Dimensionen der Anlagen und die Firma hat sich über die Jahrzehnte einen Namen auf dem Gebiet der Trockenhauben und elektrischen Friseurgeräte gemacht. 1924 erschienen erstmals auch Müholos-Haarschneidemaschinen auf dem Markt, die bereits zu dieser Zeit durch ihre Laufruhe, Zuverlässigkeit und Lebensdauer bestachen.

1954 wurde der Firmensitz nach Niefern am Rande des Schwarzwalds verlegt, wo sich auch heute noch Verwaltung und Produktion befinden. Ein neuer Name wurde ebenfalls gefunden. Die Herren Müller und Hoffmann liehen der neuen Firmierung jeweils zwei Buchstaben, das Ganze wurde klanglich mit der Silbe „los“ abgerundet. Die durchaus beabsichtigte Assoziation mit „mühelos“ findet sich auch in der Firmenphilosophie wieder.

Charakterisierung:
Viergliedriges Gebäude mit Giebel-Vorbau, der Eingang und wohl Treppenhaus beinhaltet. Hauptgebäude heute mit großem Ziegeldach mit auffälligen Dachgauben, die das bereits überdachte 2. Geschoss wie ein Vollgeschoss anmuten lassen. Die Front ist in der Renovierung mit Putz und Ziegelflächen versehen worden, die die Fläche strukturieren. Beeindruckend ist der Vorbau, der in sich 5-gliedrig aber asymmetrisch aufgebaut ist. Überwölbt wird der Vorbau durch ein hohes Walmdach, das auf einem mächtigen Giebel ruht. Dieser ist nur durch zwei symmetrisch angeordnete Fenster geschmückt.

Alle Fenster sind gesprosst und damit vielfältig untergliedert. Sehr schön ausgeführte geschnitzte Eingangstüren mit Oberlichtern, die jeweils durch einen T-Träger aus Baueisen gekrönt sind, schmücken das Erdgeschoß dieses Vorbaus, geben aber auch dem Gesamtgebäude einen besonderen Charakter.
Der möglicherweise später angefügte Seitenbau an der linken Front ist sehr schlicht gehalten und stört somit nicht das Gesamtbild.“

Quellen und Literatur:
http://www.mueholos.com/de/wirueberuns/unternehmen.php
http://adressbuecher.genealogy.net/entry/book/292?offset=201025&max=25&sort=address&order=asc

Autor:
Hartmut Bräuninger

Fotograf:
Hartmut Bräuninger