Straßenbahnhof Möckern

Titel des Objekts: Straßenbahnhof Möckern

Adresse: Georg-Schumann-Straße 244, 04158 Leipzig

Stadtteil: Möckern

Industriezweig/Branche/Kategorie: Betriebshof der Straßenbahn

Kurzcharakteristik: Die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) errichtete 1907 an der Georg-Schumann-Straße ein neues Depot, das 1972 bei einem Großbrand zerstört wurde. Danach begann bis 1976 der Wiederaufbau. Im Mai 1996 wurde der Straßenbahnhof dann geschlossen und neues Domizil für die historischen Straßenbahnen. Seit 20 Jahren befindet sich hier ein Straßenbahnmuseum.

Datierung: 1907, 1976

Objektgröße: 2750 m²

Ursprüngliche Nutzung: Straßenbahnhof für Linienfahrzeuge

Heutige Nutzung: Museum für Straßenbahnen, Omnibusse, Obusse und Taxen

Bau- und Firmengeschichte: Der Straßenbahnhof Möckern liegt im Ortsteil Möckern, nordwestlich der Stadt, an der Georg-Schumann-Straße und wurde im Jahr 1907 eröffnet. Die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) errichtete mit Eröffnung am 01. Juli 1907 die „Wagenhalle I“ mit 56 Metern Länge und vier Gleisen. Zwei Gleise erhielten eine Ausfahrt zur Hallischen Straße (heute Georg-Schumann-Straße) und zwei waren Stumpfleise, die über eine Schiebebühne erreichbar waren. An der Georg-Schumann-Straße wurde 1907 ein Wohnhaus für sieben Straßenbahnfahrerfamilien von der GLSt gebaut. Im Jahr 1909 erfolgte der Bau der „Wagenhalle II“ mit 60 Metern Länge und vier Gleisen. Erneut gab es zwei Stumpfgleise, erreichbar über eine Schiebebühne, und zwei Ausfahrten. Ein Jahr später wurde ein Stumpfgleis zum Ausfahrtsgleis umgebaut. Im selben Jahr kam ein Dienstgebäude dazu. 1924 wurden dann die Schiebebühne entfernt und die Gleise mit Weichen verbunden.
Ein Großbrand zerstörte am 19. März 1972 den kompletten Betriebshof. Noch im selben Jahr, am 15. Oktober, konnte eine Freiabstellanlage mit sieben Gleisen genutzt werden. Die Betriebswerkstatt für Möckern war im Straßenbahnhof Schkeuditz stationiert. Um Ende 1976 wurde eine freitragende Wagenhalle über die Gleise errichtet. Das Gleis 4 erhielt eine Arbeitsgrube mit 45-Metern-Länge, damit konnten dann auch die Tatragroßzüge (Drei-Wagen-Zug) instandgesetzt werden. Die neue Werkstatt folgte erst im Mai 1986.
Am 31. Mai 1996 wurde der Straßenbahnhof Möckern für Linienwagen geschlossen. Neun Tage später wurde der Betriebshof dem Verein „AG Historische Nahverkehrsmittel Leipzig e.V.“ übergeben, der sich der Erhaltung und Pflege der historischen Straßenbahnen widmet. Bisher waren diese Fahrzeuge in verschiedenen LVB-Betriebshöfen beheimatet. Nun konnte erstmals am 17. Mai 1998 mit Eröffnung des „Historischen Straßenbahnhof Leipzig-Möckern“ eine Vielzahl der Historischen der Öffentlichkeit gezeigt werden. Jedoch war Möckern nur eine Zwischenstation, bis ein neues und endgültiges Domizil gefunden wurde. Dies wird nun ab Mai 2018 soweit sein, wenn das Straßenbahnmuseum im Betriebshof Wittenberger Straße (Eutritzsch) seine neuen Tore öffnet.

Objektbeschreibung: Der Straßenbahnhof befindet sich an der Georg-Schumann-Straße, Slevogtstraße, Blücherstraße und Elli-Voigt-Straße im Rahmen einer halben Blockrandbebauung. Um diesen Block führt eine Straßenbahnwendeschleife. Direkt an der Georg-Schumann-Straße befinden sich die Ein- und Ausfahrten auf die Abstellanlage; die Rückwand an der Blücherstraße. Die Abstellanlage hat sieben Gleise und eine freitragende Halle mit blauen Stahlmasten- und -trägern sowie einem Satteldach. Auf den Gleisen 6 und 7 befindet sich die Restaurierungswerkstatt. Der Zugang ins Museum ist mit einem Tor versperrt.

Quellen/Literatur/Links:
– Buch „Vom Zweispänner zur Stadtbahn“, 1996
– Buch „Von Stadtbahn und Bus“, 2007
– Leipziger Stadtverkehr www.bimmelbus-leipzig.de

Autor/in: Dave Tarassow

Datum: 12.02.2018

Abbildungen: Dave Tarassow, Januar 2018




Straßenbahnhof Wittenberger Straße

Titel des Objekts: Straßenbahnhof Wittenberger Straße

Adresse: Apelstraße 1, 04129 Leipzig

Stadtteil: Eutritzsch

Industriezweig/Branche/Kategorie: Betriebshof der Straßenbahn

Kurzcharakteristik: Die Leipziger Elektrische Straßenbahn (LESt) errichtete 1895 an der Apelstraße den ersten Straßenbahnhof für den elektrischen Straßenbahnbetrieb. Neue Abstellanlagen und Werkstätten besaß das Areal, das fortan viele Erweiterungen erfuhr. Als 1919 die Fusion mit der Großen Leipziger Straßenbahn (GLSt) erfolgte, war dieser Standort die „Werkstätten II“, bis sie durch Inbetriebnahme der Hauptwerkstatt Heiterblick 1927 aufgelöst wurde. Hier wurden die neuen NGT8 in den 1990er Jahren beheimatet. Ab Mai 2018 ist hier das neue Straßenbahnmuseum zuhause.

Datierung: 1895

Objektgröße: 17.700 m²

Ursprüngliche Nutzung: Hauptwerkstatt und Straßenbahnhof

Heutige Nutzung: Straßenbahnmuseum und Service-Standort LSB (LVB-Tochter)

Bau- und Firmengeschichte: Der Straßenbahnhof Wittenberger Straße liegt im Ortsteil Eutritzsch, nordöstlich der Stadt, zwischen Wittenberger Straße und Apelstraße und wurde im Jahr 1895 eröffnet. Errichtet hat den neuen Betriebshof die Leipziger Elektrische Straßenbahn (LESt), als 1896 der elektrische Fahrbetrieb eingeführt wurde. Neue Abstellanlagen und Werkstätten mussten her. Im Hauptdepot waren alle Einrichtungen der LESt beheimatet, bis auf die Stromversorgung. An der Wittenberger Straße wurde ein Wohn- und Verwaltungsgebäude für die Direktion gebaut. Die „Wagenhalle I“ wurde im Jahr 1896 mit 77 Metern Länge und neun Gleisen sowie einem Werkstattanbau in Betrieb genommen. Die Ausfahrten erfolgten auf die Wittenberger Straße. Im selben Jahr erfolgte der Bau der „Wagenhalle Ia“ mit 105 Metern Länge und vier Gleisen, die jedoch bis 1925 keine Seitenwände besaß und für die Abstellung von Beiwagen diente. Sie war nur mit einer Schiebebühne verbunden. Weiter ging es 1898, unter anderem mit einer Werkstatt für Holzräder und der „Wagenhalle II“ mit fünf Gleisen und Ausfahrten zur Apelstraße. In den folgenden Jahren kamen weitere Ausbauten hinzu. 1909 erhielt die „Wagenhalle Ia“ zur Apelstraße ein Ausfahrtsgleis. Der Straßenbahnhof Wittenberger Straße war für die LESt ihr Hauptdepot, hier konnten alle Fahrzeugtypen instandgesetzt werden. 1919 fusionierten die LESt und GLSt zur Großen Leipziger Straßenbahn und das Hauptdepot wurde in „Werkstätten II“ umbenannt. Die „Werkstätten I“ befanden sich in Lindenau an der Lützner Straße.
1920 wurden durch den Erweiterungsbau im Straßenbahnhof Eutritzsch (Delitzscher Straße) keine Linienwagen mehr in der Wittenberger Straße beheimatet. Die „Wagenhalle II“ diente nun der Instandhaltung der Transportwagen für die Gleisbauabteilung. 1924 erfolgte dann auch die Instandhaltung der Linienwagen, da die „Werkstätten I“ ausgelastet waren. Zwei Jahre später zog ein Großteil der Werkstattabteilung mit Eröffnung der Hauptwerkstatt nach Heiterblick um und die Wittenberger Straße wurde wiedereröffnet. Ehemalige Werkstattgleise wurden für die Abstellung von Straßenbahnwagen genutzt, die Schiebebühnen demontiert und Ausfahrten zur Apelstraße und Wittenberger Straße hergestellt. Aus dem Gebäude der Holzdreherei wurde ein Verwaltungsgebäude mit Sozialräumen. Der Abschluss der Umbauarbeiten erfolgte Ende 1928. Im Jahr 1935 kam der Einbau der ersten Unterflurradsatzschleifmaschine hinzu – 1946 kam eine zweite daneben. Bei Luftangriffen am 4. Dezember 1943 wurde die „Wagenhalle I“ und einige Fahrzeuge beschädigt. Im Februar und April 1945 folgten weitere Luftangriffe und die „Wagenhalle Ia“, die „Wagenhalle II“, die ehemalige Holzdreherei und Werkstatt sowie das Direktionsgebäude wurden komplett zerstört.
Im Mai 1945 begann der Wiederaufbau. Die „Wagenhalle I“ wurde repariert und die „Wagenhalle Ia“ und „Wagenhalle II“ aufgebaut. Die Verwaltung zog ins neue Verwaltungsgebäude, die Sozialräume blieben erhalten. Die Werkstatt und das Direktionsgebäude wurden nicht wiederaufgebaut. Neben der „Wagenhalle II“ befand sich ein Freiabstellanlage mit 4 Gleisen, die um ein 5. Gleis erweitert wurde. Im Januar 1949 konnte der Betriebshof wieder komplett mit Werkstatt genutzt werden. Im hinteren Teil der „Wagenhalle I“ erfolgte der Bau einer Werkstatt mit 4 Gleisen für die Instandhaltung der Gothagelenkzüge. In den Jahren 1966-1968 wurde der Betriebshof rekonstruiert – das Gleisdreieck Berliner-/Wittenberger Straße zweigleisig ausgebaut, die „Wagenhalle II“ erhielt Arbeitsgruben und eine Waschanlage. Damit konnten die einrückenden Straßenbahnen zur Instandhaltung nun mit einem Lauf durch den Betriebshof fahren. Über die Wendeschleife Bitterfelder Straße war es nun möglich, zu den Gleisen der „Wagenhalle I“ und der ehemaligen „Wagenhalle IIb“ einzurücken. In der Betriebswerkstatt konnten nun auch Tatrawagen instandgehalten werden. 1980 wurde auf der vorhandenen Freiabstellanlage eine nunmehrige Anlage mit 11 Gleisen und Ausfahrten zur Apelstraße in Betrieb genommen.
Die „Wagenhalle II“, auch Apelhalle genannt, wurde 1992 in eine neue Betriebswerkstatt mit 3 Gleisen (vorher 5 Gleisen) für die Instandhaltung der NGT8 umgebaut. Von 2011-2016 war der Betriebshof nur noch Außenstelle des Straßenbahnhofs Dölitz. Nach Eröffnung im Juli 2016, nach den Umbauarbeiten im Straßenbahnhof Dölitz, wurde am 16. Oktober 2016 die Wittenberger Straße für Linienwagen geschlossen. Bis August 2017 fanden auf der Freiabstellanlage ausgemusterte Tatrawagen ihre letzte Ruhe, die dort dann schließlich auch verschrotten wurden. 2012 wurde die „Wagenhalle I“ saniert und die Gleisabstände vergrößert, sodass nur noch 7 statt 9 Gleise vorhanden sind. Im Sommer 2017 zog auf der Freiabstellfläche und in der „Wagenhalle II“ samt dem Verwaltungsgebäude die LVB-Tochter Leipziger Service-Betriebe (LSB) mit ihren Einsatzfahrzeugen ein. Dabei wurden die Gruben in der Apelhalle verfüllt. Voraussichtlich ab Mai 2018 wird im Bereich der „Wagenhalle I“ und „Wagenhalle Ia“ das neue Straßenbahnmuseum eröffnen, das seinen bisherigen Sitz im Betriebshof Möckern hat.

Objektbeschreibung: Zwischen der Bitterfelder Straße, Apelstraße, Berliner Straße und Wittenberger Straße befindet sich das Straßenbahnhofareal. Die Ein- und Ausfahrten erfolgen an der Wittenberger Straße und Apelstraße. Über die sogenannte Sommerhalle ist eine Durchfahrt möglich. Die originale Bausubstanz aus Klinker wurde weitestgehend erhalten.

Quellen/Literatur/Links:
– Buch „Vom Zweispänner zur Stadtbahn“, 1996
– Buch „Von Stadtbahn und Bus“, 2007
– Leipziger Stadtverkehr www.bimmelbus-leipzig.de

Autor/in: Dave Tarassow

Datum: 12.02.2018

Abbildungen: Dave Tarassow, April 2010




Museumsfeldbahn Lindenau

Objekt: Museumsfeldbahn Lindenau

Adresse: Plautstraße 80, 04179 Leipzig

Stadtteil: Neulindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie: Transportwesen, Feldbahn

Kurzcharakteristik: 800 mm Feldbahn, zeitweise zusätzlich 600 mm

Datierung: seit 1856

Objektgröße: max. 12 km, jetzt 1,5 km

Ursprüngliche Nutzung: Transport von Erdaushub und Kies

Heutige Nutzung: Museumsbahn

Bau- und Firmengeschichte, Objektbeschreibung: Der Betrieb der Feldbahn begann 1856 mit dem Abtransport der Aushubmassen, die beim Bau des von Karl Heine geplanten Kanals von der Weißen Elster zur Saale anfielen. Damals wurden die Holzloren von Pferden gezogen. 1888 stieß man auf ergiebige Kieslagerstätten, 1896 wurden die Pferde durch E-Loks ersetzt und 1902 der Kanalbau zunächst beendet. Die Feldbahn war nun für den Kiestransport zu einem Mörtelwerk vorgesehen. Der Einsatz von Eimerkettenbaggern und der Mörtelbedarf für die wachsende Stadt Leipzig führte zu einer Erweiterung des Bahnbetriebes. Auch für die Fortsetzung des Kanal- und Hafenbaues von 1933 bis 1943 wurde der verstärkte Kies- und Erdmassentransport durch die Feldbahn benötigt.
Einen erneuten Aufschwung erlebte die Feldbahn nach dem Krieg zur Beschaffung der Rohstoffe für den Wiederaufbau der Stadt. Die Kapazität wurde auf 12 km, 35 Lokomotiven und 700 Kipploren erweitert. Der Höhepunkt wurde 1960 erreicht. Durch Änderung der Bautechnologie auf Platten- und Blockbauweise mit Betonwerken im Norden Leipzigs ging der Kiesbedarf der im Westen gelegenen Lagerstätten zurück. 1991 wurde der Betrieb eingestellt. Die Gleisanlagen wurden bis auf 1,0 km zurückgebaut.
Ein Verein übernahm die Reste, erweiterte das Gleis auf 1,5 km und entwickelte einen erfolgreichen Museumsbetrieb. Im Jahr werden mehrere publikumswirksame Fahrtage durchgeführt. Im Zusammenhang mit einem im Bau befindlichen Wohngebiet im Hafengelände ist eine Verlängerung der Museumsbahn bis an die Lützner Straße und damit eine bessere Erreichbarkeit vorgesehen.

Quellen/Literatur/Links:
http://www.museumsfeldbahn.de/
https://de.wikipedia.org/wiki/Museumsfeldbahn_Leipzig-Lindenau

Autor: Helmut Sander

Datum: 07.02.2018

Abbildungen:




Museum für Druckkunst

Titel des Objekts: Museum für Druckkunst Leipzig

Adresse: Nonnenstraße 38

Stadtteil: 04229 Leipzig-Plagwitz

Industriezweig/Branche/Kategorie: Polygraphisches Gewerbe

Kurzcharakteristik: Museum zum „Anfassen“ in einem ehemaligen Druckereigebäude

Datierung: 1915-17 Errichtung der Gebäudefront zur Nonnenstraße, Umgestaltung der Fassadenfront in den Jahren 1922-23 mit Art Déco Elementen. Die den viereckigen Hof begrenzenden Fabrikteile sind älter und wurden ca. 1908 erreichtet.

Objektgröße: ca. 4000m²

Ursprüngliche Nutzung: Um 1876 begann eine Firma für Strickmaschinen auf dem Gelände mit der Produktion. Eigentümer war der Kaufmann Gustav Ludwig Oehmler. Die ersten baulichen Anlagen des Grundstückes befanden sich im heute hinteren Bereich des Hofes in Richtung zur Gleisstraße. 1908 erfolgt die Übernahme durch Theodor Wilhelm Weickart und die Umgestaltung zur heute vorhandenen Vierflügel umfassenden Fabrikanlage. Hergestellt wurden nun Brenner für Gas- und Petroleum. Eine Erweiterung der Lampenfabrik erfolgt in den Jahren 1915-17 mit einem Neubau der Front an der Nonnenstaße. Im Gegensatz zum Vorgängerbau von 2 Etagen verfügt das neue Gebäude nun über eine Ebene mehr. Durch fortschreitende Nutzung der elektrischen Beleuchtung verlässt die Fabrik für Gas- und Petroleumbrenner das Areal. Ab dem 8.September 1921 ist die Leipziger Reisebuchhandlung Dr. Karl Meyer GmbH neuer Nutzer der Gebäude. Das Unternehmen wurde bereits 1919 gegründet und verlegt seinen Firmensitz 1922 in die Nonnenstraße 38. Am neuen Standort arbeiten bis zu 350 Angestellte in verschiedenen Bereichen wie Druckerei und Buchbinderei. Ebenso werden Gegenstände des Kunsthandels vor Ort gefertigt. Der Buch- und Kunstverlag wächst. So entstehen 1922 die beiden Fahrstuhltürme und erleichtern Transport und Fertigung. Hergestellt wurden diese vom bekannten Plagwitzer Unternehmen Unruh und Liebig. Das erfolgreiche Unternehmen möchte sich auch nach außen repräsentieren. Es beauftragt den Architekten Edgar Röhrig in den Jahren 1922/23 mit der Umgestaltung der Fassade zur Nonnenstraße im Art Déco Stil. Seinen Namen und die Jahreszahlen der Arbeit trägt eine noch heute vorhandene Relief-Palette im Putz rechts neben dem Eingang. Ebenso werden die Räume des Vorderhauses mit in den Umbau einbezogen. Entstanden ist eine dezente Fassade im damaligen Zeitgeist, die Ihresgleichen im Stadtbild sucht. Den zweiten Weltkrieg hat das Haus ohne Schäden überstanden und die Firma Dr. Karl Mayer kann weiter produzieren. Jedoch geht die Verstaatlichungswelle nicht an dem Privatunternehmen vorüber. Zu Beginn des Jahres 1953 erfolgt die Zwangsverstaatlichung. Als Teil des VEB Offizin Haag Drugulin kommt es 1954 zur erneuten Änderung des Firmennamens. Nun im Verbund mit anderen Druckereien geht das Haus im VEB Offizin Anderson Nexö auf. Die Produktion läuft auf Hochtouren bis in die Zeit um 1990/1991. Nach dem gesellschaftlich- und wirtschaftlichen Umbruch fehlen die Absatzmärkte. Die Anlagen waren veraltet. Nach einer Phase der Ungewissheit kam es 1994 zur Gründung des Museums. Der Verleger Herr Ekkehart Schumacher Gebler war Initiator und treibende Kraft. Ihm hat Leipzig dieses einmalige Museum zu verdanken. Es folgte ein etappenweiser Umbau der den Charakter des Hauses erhalten hat. Im Jahr 1999 konnte die unter Denkmalschutz stehende Fassade zur Nonnenstraße nach der Sanierung neu erstrahlen.

Heutige Nutzung: Hervorragend restauriert kann man hier an einem authentischen Ort die Entwicklung der für Leipzig prägenden Branche erleben. War in diesem Haus die „Schwarze Kunst“ doch schon seit Jahrzehnten ansässig und ist es bis heute geblieben. Beim Eintreten riecht man schon bald den typischen Geruch von Druckerschwärze und Öl. An Wochenenden oder anderen Terminen kann man die Technik in Betrieb erleben, Blei wird geschmolzen und in Form für Buchstaben oder Noten gebracht. Anschaulich und verständlich erlebt man hier die Prozesse Gießen, Setzen sowie Drucken in Werkstattatmosphäre. Besucher können auch Handabzüge selbst erstellen und die Werkstatt wird rege von Künsteln genutzt. Hier kann man alles über die verschiedensten Techniken der Polygraphie erfahren. Das Herzstück der Sammlung ist die Schriftgießerei, die bildet mit ihren mehren Tausend Schriftarten eine in Europa einmalige Vielfalt und den Ausgangspunkt zu Drucken aller Art und Größe. Früher wurden die Bleibuchstaben noch von Hand gegossen und der Schriftsetzer erstellte die Texte daraus ebenfalls per Hand. Später gab es bereits Maschinen, wie die Monotype aus England. So konnte Satz zum Drucken per Lochstreifen von der Maschine gelesen und gegossen werden. Ein großer Fortschritt und für Jahrzehnte der Standard in der Bleisatzherstellung. Einige dieser fantastischen Maschinen sind noch heute bei Firmen aktiv. Eine umfangreiche Palette von ca. 100 funktionstüchtigen Maschinen zeigt das Haus zu den Herstellungsschritten Guss-, Satz- und Drucktechnik. Diese wurden in verschiedenen Zeitepochen entwickelt und eingesetzt. Viele Bauarten und Techniken vermitteln einen Einblick in die facettenreiche Branche und den Erfindergeist der Menschen. Ziel war stets die Produktion effizienter und billiger zu gestalten. Alles Wissen der Menschheit war früher im Medium Buch zu finden und „gespeichert“. Die Herstellung von Büchern hat sich seit Gutenberg in den folgenden 5 Jahrhunderten gewaltig verändert. Aus Handsatz wurde Computersatz. Das Exponat einer Offsetdruckmaschine aus dem Jahr 1978 schafft den Übergang zu neuerer Drucktechnik. All die Zwischenschritte werden hier im Haus den Besuchern gezeigt als auch von fachkundigen Personal erklärt. Tiefdruck in Verbindung mit Kupferstich sowie Lithografie als auch Flachdruck wird in dem einmaligen Museum gleichfalls repräsentiert. Diese Techniken wurden früher oft für Illustrationen und Bilder verwendet. Eine Besonderheit war damals auch der Notendruck. Gern nehmen Künstler die Möglichkeit wahr sich den alten Herstellungstechniken zu bedienen und schaffen dabei außerordentliche Werke. 2008 konnte das Museum um eine Xylographie-Werkstatt erweitert werden. Hier kann man alles über den Holzstich erfahren.

Eine besondere Rarität ist die Lichtdruckwerkstatt. Diese geniale Technik ist voll funktionstüchtig und nutzbar. Sie ist in der Welt fast einmalig und nur hier zu bestaunen. Eine zweite Lichtdruckmöglichkeit befindet sich nur noch in Japan! Ebenso gibt es Angebote für Kinder und Familien. Sonderausstellungen sowie spezielle Führungen und Tagungsmöglichkeiten runden das Profil des Hauses ab. Ein neu gestalteter Innenhof lädt die Besucher zum Verweilen ein. Im Museumsshop findet man Drucksachen, die im Haus gefertigt wurden, Karten für Einladungen u. ä. oder Bleibuchstaben zur Verwendung als Stempel und vieles mehr. Ein Ort wirklicher Industriekultur in Verbindung mit der Polygraphie den man nicht zur einmal besucht haben soll!

Objektbeschreibung: Das historische Ensemble verfügt über eine in Leipzig seltene Art Déco Fassade zur Nonnenstraße, die in den letzten Jahren umfassend saniert wurde. Der Eingangsbereich liegt nicht symmetrisch zur Mittelachse des Hauses. Ein Dreiecksgiebel betont die obere Etage. Den rechteckigen Hof begrenzen Klinkerbauten. Verwendet wurden dort rote Klinker und gelbe Steine als Fensterbögen. Sie zeigen Industriearchitektur jener Jahre um den ersten Weltkrieg. Im authentischen Flair kann der Besucher hier in die Geschichte des polygraphischen Gewerbes erleben. In dieser Branche haben über Jahrzehnte Leipziger Familien Arbeit gefunden. Eine Besonderheit bilden auch die noch vorhandenen Fahrstühle von 1922. Der Aufzug im öffentlichen Treppenhaus des Museums verfügt über einen außergewöhnlichen Brems-Mechanismus, den es in Leipzig nur noch an einer weiteren Stelle gibt. Neben dem eigentlichen Museum gibt es noch Räume für Sonderausstellungen, Büros und Werkstätten sowie einen Saal für Tagungen. Leipzig, als DIE ehemalige Buchstadt Europas und der Welt hat damit ein einzigartiges Museum zur Polygraphie an einem authentischen Ort, welches zeigt, das Drucken eine Kunst ist!

Quellen/Literatur/Links:

Museum für Druckkunst Leipzig, Öffentlichkeitsarbeit Frau Hartmann

http://www.druckkunst-museum.de/home_de.html

Autor: M. Mann

Datum: 25.10.2016

Abbildungen:

1-5 Museum für Druckkunst Leipzig, Öffentlichkeitsarbeit Frau Hartmann (M. Mann )

Restliche Aufnahmen: M. Mann 02.09.2016 und 11.09.2016




Tapetenwerk

Titel des Objekts:
Tapetenwerk Leipzig

Adresse:
Lützner Straße 91, 04177 Leipzig

Stadtteil:
Leipzig-Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie:
Papierverarbeitung, Verpackungsmittelherstellung

Kurzcharakteristik:
Firmenbau mit 2 Etagen zur Lützner Straße und weiteren Nebengebäuden

Datierung:
ab ca. 1883

Objektgröße:
Gesamtfläche ca. 4500m², davon etwa 30% unbebaut

Ursprüngliche Nutzung:
Herstellung von Tapeten und weiterer dekorativer Papiererzeugnisse

Heutige Nutzung:

Vermietung professioneller Räume für „Kreative“ der Richtungen Kunst, Design, Architektur
Galerie-und Ausstellungszentrum, Vorhandensein von Ateliers z. B. für Fotografen

Bau- und Firmengeschichte:
Errichtet in der Gründerzeit um 1883 als Tapetenfabrik R. Langhammer“. Eigentümer waren die Herren Adolf und Robert Langhammer. In späteren Jahren wird das Werk als „Tapetenfabrik R. Langhammer Nachfolger“ bezeichnet und die Leitung obliegt dem Direktor Emil Zilling. 1908 konnte das Unternehmen sein 25jähriges Jubiläum feiern. Dem Produktionsprofil blieb man am Standort treu.

In der DDR firmiert das Werk als nun volkseigener Betrieb „VEB Tapetenwerk Leipzig“. Auch an den Maschinen hatte sich über die Jahrzehnte sicher nur wenig geändert. Ebenso wurde kaum in den Erhalt der Bausubstanz investiert. Verschwunden ist leider der ursprünglich geschwungene Aufbau des Giebels an der Front zur Lützner-Straße. Vielleicht war das Dach defekt und man hat das Obergeschoß dabei begradigt. Für Schmuck und Ästhetik fehlten in der DDR das Geld und der Sinn.

Ab 1976 ist das Tapetenwerk ein Teilbetrieb des „VEB Verpackungsmittelwerk Leipzig“. Produziert werden hier in späteren Jahren unter anderem auch Platzdeckchen aus Papier für den Bordservice in Flugzeugen. Bis zur Wende 1989 gab es sicher keine weiteren Veränderungen. Danach kam die Überführung des Werkes in eine GmbH, die sich aber nur wenige Jahre am Markt behaupten konnte. Das traditionsreiche Werk wurde geschlossen. Im August 2006 begannen die heutigen Eigentümer sich um den Erhalt und eine Nutzung der Anlagen zu kümmern. Am 01.07.2007 übernahmen sie die Gebäude durch Kauf von der TLG Immobilien GmbH.

Ein Jahr zuvor fand zum Thema „verspinnen“ die erste Kunstaktion in den ehemaligen Fabrikräumen statt. Die Eigentümer, beide Architekten, wollen durch Wiederverwenden ausgebauter Teile den Ort als ehemaligen Produktionsstandort authentisch erhalten und der Leipziger Kreativszene preiswerte Gewebeflächen anbieten. Heute laden Workshops und wechselnde Ausstellungen regelmäßig Interessierte in die verschiedenen Gebäude auf dem Gelände. Im Frühjahr und Herbst können bei Rundgängen Kunstaktionen erlebt werden. Auch karitative Veranstaltungen werden durchgeführt und Erlöse gemeinnützigen Projekten zugeführt.

2012 wurde das Tapetenwerk in die Good-Practice Datenbank der Netzwerkreihe „wieweiterarbeiten – ARBEITSORTE DER ZUKUNFT“ der Bundesstiftung Baukultur aufgenommen.

Objektbeschreibung:

Das mit verschiedenen gründerzeitlichen Fabrikgebäuden in Klinkerbauweise bebaute Areal erstreckt sich von der Lützner-Straße bis zum Henriettenpark. Viel Wert legen die Eigentümer in eine behutsame Erhaltung der Bausubstanz und dem Wiedereinsatz von erhaltenen originalen Bauteilen in den Gebäuden. Damit bleibt der Charakter und die Authentizität des Ortes erhalten.

Quellen/Literatur/Links:

www.tapetenwerk.de – Internetseite der Eigentümer und Betreiber

Ansprechpartner Vermietung:

Jana Reichenbach-Behnisch, Dipl. Ing. Architektin

rb architekten

Büro Tapetenwerk

Haus B 1. Obergeschoß

Lützner Strasse 91

04177 Leipzig

fon 0341 – 4 92 82 36

info (at) tapetenwerk.de

Autor/in:

M. Mann

Datum:

12.04.2016

Abbildungen:

1) sw-Bild: Manfred Neuhold, ca. 1970

2) (M. Mann verschiedene Aufnahmen vom 19.04.2016)




Baumwollspinnerei

Titel des Objektes:

Baumwollspinnerei

Adresse:

04179, Spinnereistraße 7

Stadtteil:

Lindenau

Industriezweig/Branche/Kategorie:

Textilindustrie / Spinnerei

Kurzcharakteristik:

Relativ gut erhaltene Bauten in rotem Klinkermauerwerk

Datierung:

1884

Objektgröße:

10 ha

Ursprüngliche Nutzung:

Baumwollspinnerei

Heutige Nutzung:

Ateliers, Galerien u.a

Bau- und Firmengeschichte:

Im Ende des 19. Jahrhunderts war es wirtschaftlich sinnvoll, Baumwollgarne nicht mehr zu importieren. 1884 wurde in Leipzig die Baumwollspinnerei gegründet. Das Gelände wurde von Karl Heine mit Anschlussgleis, Zu- und Abwasser und Telefon erworben. Innerhalb von 25 Jahren wurde die Produktion von 30000 auf 240000 Spindeln auf hohem Niveau mit eigener Stromerzeugung und Betriebsfeuerwehr gesteigert. Zur Gewinnung von Fachkräften wurden neben der Erweiterung der Produktionskapazität auch soziale Einrichtungen geschaffen: Spinnereischule, Arbeiterwohnungen, Werkskantine, Kindereinrichtungen, Badeanstalt, Schrebergärten.

Die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen im 1. Weltkrieg und zwischen den Kriegen führten zu erheblichen Produktionsschwankungen.

Nach dem 2. Weltkrieg waren 80% Frauen beschäftigt. Das erforderte den Ausbau der Kindereinrichtungen und der Dienstleistungen. Bis zu 4000 Menschen, vorwiegend Frauen, haben bis 1989 im Drei-Schichtbetrieb unter erschwerten Bedingungen hier gearbeitet. Mit der Veränderung der Wirtschaft nach 1989 kam auch hier das Aus. Bis 2000 wurde mit 40 Arbeitskräften noch Reifenkord hergestellt.

Bereits in den 90er Jahren wurde eine alternative Nutzung entdeckt, erste Künstler zogen ein.

4 Enthusiasten kauften 2001 das Gelände. Die Bausubstanz ist wegen der klimatischen Bedingungen des Spinnereibetriebes relativ gut erhalten. Nach und nach kamen Künstler, Galerien, Dienstleister, Händler hinzu.

Der Bekanntheitsgrad wuchs, auch im Ausland, besonders durch Künstler wie Neo Rauch, die Galerien EIGEN + ART, Galerie Pierogi aus Brooklyn und die Galerie Fred aus London. Auch ein Kino, ein Café und andere Nutzungen wie ein Klavierhaus, ein Weinkontor und früher der Computerhandel „Zur 48“ tragen zur Popularisierung und Finanzierung bei. Seit 2005 gibt es die Rundgangs- Wochenenden mit weit über 10000 Besuchern. Außerhalb dieser Rundgänge werden Führungen für Gruppen und Einzelpersonen angeboten.

Quellen/Literatur/Links:

eigene Kenntnisse

http://www.spinnerei.de/

https://de.wikipedia.org/wiki/Leipziger_Baumwollspinnerei

Autor:

Helmut Sander

Bilder:

Michael Hartwich

Datum:

18.04.2016