Technisches Zentrum Heiterblick

Titel des Objekts: Technisches Zentrum Heiterblick / Straßenbahnhof Heiterblick

Adresse: Teslastraße 2, 04349 Leipzig

Stadtteil: Heiterblick

Industriezweig/Branche/Kategorie: Hauptwerkstatt und Betriebshof der Straßenbahn

Kurzcharakteristik: Im Jahr 1926 eröffnete die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) eine neue Hauptwerkstatt im Leipziger Nordosten. Damit konnten die Werkstätten in den Betriebshöfen Lindenau und Wittenberger Straße aufgegeben werden. Zu ihrer Entstehungszeit war sie die modernste Straßenbahnwerkstatt Europas. 2014 erfolgte die Inbetriebnahme des ersten Bauabschnitts des nunmehrigen „Technischen Zentrum Heiterblick“. Bis 2030 soll erstmals auch ein Straßenbahnhof integriert werden.

Datierung: 1926

Objektgröße: 145.200 m²

Ursprüngliche Nutzung: Flugzeugwerft

Heutige Nutzung: Abstellanlage, Instandsetzung und Hauptuntersuchung von Straßenbahnen / Abstellanlage von Omnibussen

Bau- und Firmengeschichte: Der Betriebshof Heiterblick bzw. das Technische Zentrum Heiterblick liegt im Ortsteil Heiterblick, nordöstlich der Stadt, an der Teslastraße und wurde im Jahr 1927 eröffnet. Die Große Leipziger Straßenbahn (GLSt) übernahm am 17. April 1926 das ehemalige Gelände der „J. Mehrlich Aktiengesellschaft in Berlin, Zweigniederlassung Leipzig-Heiterblick, vormals Automobil und Aviatik AG“. Von 1915-1926 wurden hier überwiegend Flugzeuge konzipiert und gebaut, zuletzt auch Eisenbahnpersonenwagen und Güterwagen repariert.
Bevor aber hier die neue Hauptwerkstatt in Betrieb genommen werden konnte, waren umfangreiche Umbauarbeiten erforderlich. Bereits vorhanden war eine insgesamt 250 Meter lange Halle, die sich aus 3 Bauwerken zusammensetzt: Die „Halle A“ ist 170 Meter lang und 30 Meter breit, die „Halle B“ ebenso 30 Meter breit, aber 10 Meter hoch und freitragend, sowie die „Halle C“ mit 50 Metern Länge und 30 Metern Breite. Aus den beiden zweischiffigen Hallen wurden dreischiffige Hallen und eine Schiebebühne wurde eingebaut. Dazu folgten Arbeitsgruben und Arbeitsstände. Die „Halle A“ erhielt auf beiden Hallenseiten eine Brückenkrananlage und zwei Einfahrtsgleise. In die „Halle B“ wurde eine Zwischendecke für Nebenwerkstätten eingezogen, die über einen Aufzug erreichbar war. Und die „Halle C“ bekam ebenso eine Schiebebühne, beidseitige Brückenkrananlagen und Arbeitsgruben. Hier war auch die Lackiererei. In einem Anbau mit 22 Metern Länge zogen die Spritzkabine und ein Trockenraum mit zwei Gleisen ein, die an die Werkstattgleise auf dem Gelände angebunden waren. Hier führte ein Gleis auch zur Wagenhalle mit vier Gleisen, die in Holzbauweise errichtet wurde. Weitere Umbauarbeiten und Gleisanbindungen erfolgten. Am 1. Juni 1926 zogen die „Werktätten I“ in der Lützner Straße und „Werkstätten II“ in der Wittenberger Straße in die neue Hauptwerkstatt Heiterblick um. Zwar gehörte der Stadtteil Heiterblick bereits zu Leipzig, das nächste Wohngebiet war jedoch weit entfernt. Die GLSt setzte Personenwagen ein, die zwischen Heiterblick und verschiedenen Stadtteilen pendelten – bis 1993 (?).
Ende 1927 war die neue Hauptwerkstatt dann komplett fertig und bezogen. Durch den Kaufvertrag wurden auch eine Rangierlok und Güterwagen übernommen, die 1942 elektrifiziert wurde und unter anderem auch neue Straßenbahnwagen beförderte. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen teilweise zerstört und bis 1950 wiederaufgebaut. 1965 erhielt die „Halle A“ drei Zufahrten nebeneinander, die zu den Arbeitsständen führten. In den folgenden Jahren erfolgten weitere Anpassungen der verschiedenen Straßenbahntypen, so beispielsweise für die Tatrawagen, wo 14 Arbeitsgruben verlängert und Hebestände montiert wurden.
Als im Jahr 1994 die ersten NGT8 nach Leipzig kamen, mussten auch hier die Arbeitsbereiche wieder angepasst werden. So konnten die neuen Straßenbahnen nun auf zwei Gleisen bis ans Ende der Hallen fahren, dadurch wurde die Strecke der Schiebebühne reduziert. Zu diesem Zeitpunkt hatte Heiterblick 44 Arbeitsstände. 1972 erfolgte eine moderne Werkstatt für Lehrlinge. 1988 wurde die Ein- und Ausfahrt der Teslastraße zur Torgauer Straße mit zwei Gleisen ausgebaut. Die Anschlussbahn wurde am 31. Dezember 1993 stillgelegt und der Abzweig Ende 1995 demontiert. Bereits in den 1990er Jahren entstanden Pläne, die Hauptwerkstatt zu einem modernen Betriebshof umzubauen, insbesondere auch zur Wartung der kommenden Niederflurbahnen.
Im Jahr 2003 schrieben die Leipziger Verkehrsbetriebe einen Architekturwettbewerb aus, den ein Leipziger Büro gewann. Künftig sollen die „Halle A“ und „Halle B“ eine Infrastrukturwerkstatt sein, gegenüber entstehen drei Baukörper, die sich in Betriebswerkstatt, Hauptwerkstatt und Abstellanlage unterteilen. Das heißt, die Hauptwerkstatt erhält nun auch einen Straßenbahnhof. Auch Omnibusse werden abgestellt. Auf Grund von Finanzierungsschwierigkeiten wurde der Ausbau immer wieder verschoben und konnte zuletzt nur teilweise umgesetzt werden. In den Jahren 2011-2014 erfolgte die erste Baustufe. Dazu gehören der Neubau der Teslabrücke und die Anbindung über die Teslastraße, die neue Hauptwerkstatt und die Hälfte der Abstellhalle, die zunächst ohne Halle errichtet wurde. Damit konnten rechtzeitig die ersten NGT12 ihre Hauptuntersuchung durchlaufen, da sie in der alten Hauptwerkstatt keinen Platz fanden. Die Betriebswerk und die zweite Hälfte der Abstellhalle sollen ab 2022 erfolgen, da sich die LVB aktuell auf die Neubeschaffung von Straßenbahnen konzentrieren. Seit Sommer 2016 wird die Freiabstellanlage nun auch für Straßenbahnen genutzt. Notwendige Reparaturen müssen im nahgelegenen Betriebshof Paunsdorf durchgeführt werden. Spätestens 2030 könnte das „Technische Zentrum Heiterblick“ komplett in Betrieb gehen.

Objektbeschreibung: Zwischen Teslastraße und Wodanstraße und der Leipzig-Eilenburger-Eisenbahnstrecke befindet sich das Technische Zentrum der Leipziger Verkehrsbetriebe. Von der alten Bausubstanz sind die Hallen A, B und C sowie Anbauten und Verwaltungsgebäude vorhanden. Die alte Straßenbahnwendeschleife an der Wodanstraße wurde teilweise zurückgebaut. Die Infrastrukturwerkstatt wird weiterhin genutzt. Neu errichtet wurden die Hauptwerkstatt und ein Teil der Abstellanlage. Die Ein- und Ausfahrten erfolgen über die Teslastraße und Torgauer Straße. Eine Anbindung an den Ortsteil Thekla ist vorgesehen.

Quellen/Literatur/Links:
– Buch „Vom Zweispänner zur Stadtbahn“, 1996
– Buch „Von Stadtbahn und Bus“, 2007
– Leipziger Stadtverkehr www.bimmelbus-leipzig.de

Autor/in: Dave Tarassow

Datum: 12.02.2018

Abbildungen: Dave Tarassow, Mai 2014